Im Frühling 1917 will Bundesrat Arthur Hoffmann ein Friedensabkommen zwischen den Weltkriegsparteien Russland und Deutschland einfädeln. Weil die chiffrierten Telegramme geleakt werden, scheitert die Aktion und Hoffmann muss zurücktreten.
Die Schweiz ist im Ersten Weltkrieg tief gespalten: Die Deutschschweiz fiebert mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn, die Westschweiz ist Frankreich verbunden, und das Tessin neigt Italien zu. Die politische Neutralität ist deshalb nicht nur aussenpolitische Maxime – sie soll die Schweiz auch im Innern zusammenhalten. Bundesrat Arthur Hoffmann verbürgt sich als Aussenminister dafür. Das politische Ausnahmetalent gibt offiziell eine strikte Linie vor.
Als Alphatier im Bundesrat, vom Parlament ausgestattet mit Sondervollmachten und einem «unbegrenzten Kredit», sei Hoffmann der bisher mächtigste Bundesrat aller Zeiten gewesen, erklärt der Biograf und ehemalige Diplomat Paul Widmer. Aber Hoffmann habe seine Grenzen nicht erkannt. Widmer analysiert in der Zeitblende die verdeckten Vermittlungsversuche Hoffmanns, die ihn letztlich auch das Amt gekostet haben.
Weiterführende Literatur:
- Widmer, Paul: Bundesrat Arthur Hoffmann. Aufstieg und Fall. Zürich, NZZ Libro, 2017.
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Hier lernt ihr die Schweizer Geschichte so richtig kennen – mit all ihren Eigenarten, Erfolgen, Fails, Persönlichkeiten und Dramen. Im Podcast «Geschichte» (ehemals «Zeitblende») von SRF Wissen tauchen wir in die Schweizer Vergangenheit ein – und möchten verstehen, wie sie unsere Gegenwart prägt. Habt ihr Themenvorschläge oder Feedback? Meldet euch bei geschichte@srf.ch.
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Folge vom 22.10.2022Grimm-Hoffmann-Affäre: Wie der mächtigste Bundesrat stürzte
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Folge vom 08.10.202260 Jahre Autobahn: vom Nationalstolz zum PolitikumMit Blumen, Fahnen und Trachtenfrauen wurde 1962 das erste Stück Nationalstrasse eröffnet, die Grauholzautobahn. Die Begeisterung war riesig: Familien veranstalteten Ausfahrten zu neueröffneten Autobahnstücken, Wohnungen mit Blick auf eine der Nationalstrassen liessen sich besonders teuer vermieten. Erst in den 1970er-Jahren wurden kritische Stimmen laut: Landschaftsschützer Franz Weber war einer der ersten und schärfsten Kritiker des Autobahnbaus. Er engagierte sich für verträglichere Bauprojekte und für mehr Mitsprachemöglichkeiten der Betroffenen. Ein Engagement nicht ohne Wirkung, wie Verkehrshistoriker Ueli Haefeli in der Zeitblende bilanziert. Heute hat die Schweiz eines der dichtesten Autobahnnetze der Welt. Die «Zeitblende» beleuchtet, wie die Schweiz zu diesem Netz gekommen ist und wer die Akteure waren. Was man sich von der Autobahn versprochen hatte, und was sie gehalten hat. GesprächspartnerInnen: Ueli Haefeli, Professor für Verkehrs- und Mobilitätsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Universität Bern und Verkehrswissenschaftler beim Forschungsinstitut Interface in Luzern. Vera Weber, Präsidentin der Fondation Franz Weber, Tochter von Landschaftsschützer Franz Weber. Verwendete/Weiterführende Literatur und Quellen: Haefeli, Ueli: Mobilität im Alltag in der Schweiz seit dem 19. Jahrhundert. Unterwegs sein können, wollen und müssen. Verkehrsgeschichte Schweiz, Bd. 4. Zürich, 2022. Haefeli, Ueli: Umwelt, Raum, Verkehr. In: Patrick Halbeisen, Margrit Müller, Béatrice Veyrassat (Hrsg.): Wirtschaftsgeschichte der Schweiz im 20. Jahrhundert. Basel, 2012. S. 703-752. Heller, Martin, Volk, Andreas (Hrsg.): Die Schweizer Autobahn. Publikation zur Ausstellung «Die Schweizer Autobahn», Museum für Gestaltung Zürich. Zürich, 1999. Weber, Franz: Die gerettete Landschaft. Wie ein Einzelner der Zerstörung Einhalt gebieten kann. München, 1978. Debatten von National- und Ständerat: Im Amtlichen Bulletin, über die Online-Amtsdruckschriften des Schweizerischen Bundesarchivs. Verwendete Musikstücke: N1, Toni Vescoli In my merry Oldsmobile, Jean Goldkette and His Orchestra (Gus Edwards) Schorschl ach kauf' mir doch ein Automobil, Die Rixdorfer Sänger Little Deuce Coupe, The Beach Boys I wett, i hätt es Auto, Gesangtrio Huber Laser Party, Baby Jail Chli fahre, Dodo Hug
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Folge vom 24.09.2022Otto Anner: Ein Schweizer im Amerikanischen Bürgerkrieg«Freiheit und Sklaverei können nie miteinander bestehen», ist im Tagebuch von Otto Anner zu lesen. Er war einer von Tausenden von Schweizern, die im Amerikanischen Bürgerkrieg kämpften. Sie wussten nicht, auf was sie sich einliessen. Der Amerikanische «Civil War» von 1861 bis 1865 gilt als der erste moderne Krieg. Er war ein Vorbote für die Schrecken des 20. Jahrhunderts: Grabenkämpfe, das Repetiergewehr, die Eisenbahn und sogar U-Boote kamen zum Einsatz. Auf beiden Seiten wurden eine Unmenge an Soldaten rekrutiert, Hunderttausende von ihnen starben. Auch mindestens 6000 Schweizer kämpften mit. Sie waren in die USA ausgewandert, um Arbeit zu finden und fanden diese einzig in der Armee. Einer von ihnen kommt in dieser Zeitblende dank seiner schriftlichen Nachlässe zu Wort: Der Soldat Otto Anner aus dem aargauischen Baden. Weiterführende Literatur: Hutson James H., The Sister Republics. Die Schweiz und die Vereinigten Staaten von Amerika. McPherson James M., Für die Freiheit sterben. Die Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs. Sautter Udo, Der Amerikanische Bürgerkrieg. 1861–1865. Sulser Christoph, Die Erlebnisse von Otto Anner während des amerikanischen Bürgerkriegs 1851–1864, Lizentiatsarbeit.
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Folge vom 10.09.2022Besetzung der polnischen Botschaft in BernAm 6. September 1982 besetzten vier Männer die polnische Botschaft in Bern. Nach drei Tagen konnte die Botschaft gewaltsam geräumt werden - ohne Tote und Verletzte. Jahre später zeigte sich: Die Schweiz nutzte die Gelegenheit, um aus der Botschaft Akten zu entwenden. Die Geiselnahme wurde weltweit beachtet, das Medieninteresse war enorm. Der Ausgang ungewiss. Ein Sonderstab entschied rasch: Die Geiselnahme kann wohl nur gewaltsam enden. Tagelang bereitet sich die Berner Polizei vor. Der Sturm der Botschaft gelingt, die Geiselnehmer werden verhaftet und verurteilt. Jahrzehnte später kommt heraus: Die Bundesbeamten nutzten die Gelegenheit, um geheimes Material aus der Botschaft zu kopieren. Darunter: Unterlagen zu Schweizer Militärinfrastruktur, welche durch die Polen ausspioniert wurde. Das macht die SonntagsZeitung 2013 publik . In der Zeitblende kommt Benno Schneider zu Wort – er war damals Generalsekretär des Justiz- und Polizeidepartements unter Bundesrat Kurt Furgler und hat den Sonderstab Geiselnahme geleitet. Historiker Peter Collmer ordnet die Geschehnisse rund um das Kriegsrecht in Polen ein, welches zu dieser Zeit eingeführt worden war.