
Kultur & Gesellschaft
Das Jahrhundert der Nerds - Vom Eigenbrötler zur Weltherrschaft?
Früher wurde er zum Ziel von Spott und Hohn, doch heute strebt er nach Einfluss: der Nerd. Diese soziale Figur verkörpert das digitale Zeitalter. Ein Tüftler, Erfinder, Einzelgänger. Gegenwärtig einflussreiche Geschäftsmänner wie Elon Musk, Mark Zuckerberg oder Peter Thiel.
In den vergangenen Jahren hat der Nerd mit denen, die ihn einst belächelten, abgerechnet. Er stellt den beliebten athletischen Typ im Fitnessstudio, das er selbst optimiert hat, in den Schatten. Die Überzeugungskraft des charmanten Verführers verblasst gegenüber Algorithmen, die zwischenmenschliche Kontakte ersetzen. Der Nerd überholt als Unternehmensgründer den klassischen Geschäftsmann, macht KI dem Künstler Konkurrenz und erschafft eine virtuelle Persönlichkeit, die Influencer aus vergangener Zeit antiquiert erscheinen lässt, wie ein alter Atari-Computer.
Jetzt streben sie – etwa Elon Musk oder Peter Thiel – nach politischem Einfluss mit Versprechen von Freiheit und transhumanistischen Idealen, die sie mit einer Vorliebe für Science-Fiction untermalen, über die man früher nur gelacht hat. Warum stockt uns jetzt das Lachen?
Roberto Simanowski, Jahrgang 1963, lebt nach akademischen Stationen in Kultur- und Medienwissenschaften in den USA, der Schweiz und Hongkong nun als Schriftsteller in Berlin und Rio de Janeiro. Zu seinen Werken zählen Data Love (2014/engl. 2018), Facebook-Gesellschaft (2016/engl. 2018) und Abfall. Das alternative ABC der neuen Medien (2017, engl. 2018). Sein Buch Todesalgorithmus. Das Dilemma der künstlichen Intelligenz wurde 2020 mit dem Tractatus-Preis für philosophische Essays ausgezeichnet.
Das Jahrhundert der Nerds - Vom Eigenbrötler zur Weltherrschaft? im Überblick
| Sendezeit | Fr, 03.04.2026 | 09:30 - 10:00 Uhr |
| Sendung | Deutschlandfunk "Essay und Diskurs" |