Auf dieser Bank im Park sitzen zwei Männer, die fast gleich aussehen. Der eine ist etwas älter und etwas größer, der andere etwas jünger und kleiner. Ansonsten könnten sie beinahe Brüder sein: ähnliche Kleidung, ähnliche Haltung und dieselbe konzentrierte, aber irgendwie auch verschmitzte Miene.
Zwischen ihnen liegt ein Blatt Papier. Ich schätze mal, es ist eine Liste. Der Größere hält einen Kugelschreiber in der Hand, der Kleinere beugt sich immer wieder vor, um besser sehen zu können. Hin und wieder zeigt einer auf eine Zeile. Dann reden sie leise miteinander, nicken sehr ernst oder schütteln langsam den Kopf, als müssten sie über etwas entscheiden, das mindestens den weiteren Verlauf des Nachmittags betrifft.
Dabei packen sie ihre Brote aus. Auch das machen sie erstaunlich langsam. Der Größere öffnet seine Brotdose mit großer Sorgfalt, nimmt sein Brot heraus und betrachtet es erst einmal. Der Kleinere faltet das Papier um sein Brot ordentlich auseinander und streicht es auf seinem Schoß glatt. Dann beißen beide hinein, kauen lange und sagen eine Weile gar nichts.
Zwischendurch beobachten sie die Menschen um sich herum. Manchmal scheint einer etwas entdeckt zu haben und deutet möglichst unauffällig in eine Richtung. Der andere schaut hin, denkt kurz nach und sagt etwas, das ich nicht verstehen kann. Danach wird wieder auf die Liste geschaut.
Man kann nicht erkennen, woran die beiden arbeiten. Es sieht ein bisschen nach Besprechung aus, nur ohne Eile und ohne jeden erkennbaren Anlass: zwei Männer auf einer Parkbank, zwei Brote, ein Kugelschreiber und eine Liste, deren Bearbeitung offenbar ruhig den ganzen Nachmittag dauern darf.
Plötzlich merken sie, dass ich sie beobachte, sie schieben ihre Brotdosen zur Seite, stehen langsam auf bewegen sich langsam auf mich zu.
Folgen von Esel und Teddy
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Folge vom 19.07.2026Slow Living gegen das Doomscrolling
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Folge vom 12.07.2026Auf die Stirn geblicktJohann Caspar Lavater glaubte im 18. Jahrhundert, auf der Stirn eines Menschen dessen Charakter lesen zu können. Wir wissen, dass das Unfug ist und versuchen es erst gar nicht. Uns reicht es, wenn Esel aus der Stirn den oder die zuständige Bundesministerin lesen kann. Zum Mitraten: https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/bundeskabinett (Das geht ganz einfach: Größer zoomen, so auf 200% je nach Viewport, langsam runterscrollen, dabei nur die Stirn anzeigen und die Namen oben drüber ignorieren.)
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Folge vom 05.07.2026Das Momentum nach der TrinkpauseDas Momentum nach der Trinkpause
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Folge vom 29.06.2026WM-Spezial 2026: Deutschland gegen ParaguayValentina wusste nicht, warum sie beim letzten Mal so klug gewesen war, zu sagen: Alte Möbel, die keiner mehr braucht, gehen auch gerne mal kaputt. Und dann hatte sie genau so einen Schrank gekauft. Paraguay-Nussbaum, sagte der Händler auf dem Flohmarkt. Seltenes Holz. Sie kannte nur eine einzige Nussbaumsorte richtig gut, aber sie dachte: Ich rocke das. Jetzt stand das Ding in der Werkstatt, und es war hart anzugucken. Drei Schubladen klemmten, die Rückwand hatte einen Riss, und das linke Bein knickte ein, sobald man dagegenstieß. Ein sehr schweres Stück Arbeit. Valentina leimte, schliff, setzte an, scheiterte. Der Wille war nur halb da, weil sie im Kopf nicht ganz frisch war nach dem Fail mit dem Küchentisch letzte Woche, der sie drei Abende und Rückenschmerzen gekostet hatte. Aber sie blieb beharrlich. Wer beharrlich bleibt, kommt zum Ziel – das hatte ihre Großmutter gesagt, eine Frau, die alles bis zur letzten Konsequenz durchzog. Und irgendwann, spätabends, fast in der »Nachspielzeit des Tages«, hielt die dritte Schublade. Dann die zweite. Dann, als Kirsche auf der Sahne, saß auch das Bein wieder fest. Valentina trat einen Schritt zurück. Nicht schön, wenn man genau hinsah. Aber stabil. Individuelle Klasse, dachte sie, ist, wenn man weiß, wann Aufhören besser aussieht als Weitermachen. Am nächsten Morgen klemmte die erste Schublade wieder. Unser gemeinsames Orakelergebnis: 2:1 für Deutschland