Karim El-Gawhary nimmt die Hörerinnen und Hörer mit nach Libanon und beschreibt, wie die israelische Armee mit massiven Angriffen und einem Vormarsch bis zur Kreuzritterburg Beaufort einen gefährlichen Kurs fährt, der stark an die Besatzung des Südlibanon von 1982 bis 2000 erinnert. Er legt dar, dass Israels politische Rechnung nur aufgehen könnte, wenn die schwache libanesische Regierung die Hisbollah entwaffnet – ein Szenario, das er als unrealistisch und potenziell bürgerkriegsgefährdend bewertet. Zugleich erklärt El-Gawhary, wie die erneute Präsenz israelischer Truppen der Hisbollah als „Schutzmacht“ der schiitischen Bevölkerung neue Legitimität und ein riesiges Rekrutierungspotenzial verschafft. Auf diplomatischer Ebene zeigt er, wie der Iran die Verhandlungen mit den USA aussetzt, solange kein echter Waffenstillstand im Libanon erreicht ist, und wie Donald Trumps Versuche, einen fragilen Waffenstillstand zu vermitteln, an den Realitäten vor Ort zu scheitern drohen. Am Ende warnt El-Gawhary mit Verweis auf den israelischen Kolumnisten Gideon Levy vor einem dramatischen Moment, in dem sich entscheidet, ob Israel in einen umfassenden Libanonkrieg und damit in eine erneute Eskalation mit Iran und im gesamten Nahen Osten steuert.
Produktion: Manuel Correa, Martin DrumlMusik: Nour AshourGrafic Design des Logos: Mona Henry
NachrichtenTalk
Nahost. Nah Dran. Folgen
Der Journalist und langjährige Nahost-Experte Karim El-Gawhary nimmt euch mit, die arabische Welt hautnah zu erfahren. Er erzählt Geschichten aus dem Leben in der Region, analysiert kompakt aktuelle Ereignisse und hilft Konflikte einzuordnen. Dazu kommen inspirierende Gesprächspartner und ausführliche Talks. Dort ist genug Zeit, einmal länger als die üblichen kurzen Nachrichtenminuten in die Welt unserer unmittelbaren europäischen Nachbarn einzutauchen.
Folgen von Nahost. Nah Dran.
22 Folgen
-
Folge vom 03.06.2026#2 Über Israels Vormarsch im Libanon
-
Folge vom 27.05.2026#1 Interview mit meinem Vater: Über das Attentat von München 1972, Teil 1Ein sehr persönliches Gespräch mit dem eigenen Vater Magdi, der bei Olympia-Anschlag 1972 zwischen den deutschen Behörden und den palästinensischen Attentätern vermittelt hat. Das Gespräch zwischen Vater und Sohn beleuchtet nicht nur die dramatischen Ereignisse rund um den Anschlag, sondern auch dessen langfristige Auswirkungen auf die Familie und wirft kritische Fragen zur offiziellen Aufarbeitung auf. Am 5. September 1972 überfiel ein palästinensisches Kommando der Organisation “Schwarzer September” das israelische Quartier im Olympiadorf München und nahmen elf Athleten als Geiseln, zwei wurden sofort erschossen. Der damals 31-jährige Magdi El-Gawhary wurde als Nahost-Experte vom Auswärtigen Amt als Vermittler eingesetzt und führte Gespräche mit dem Führer Issa, um eine friedliche Lösung zu erreichen. Gemeinsam mit arabischen Diplomaten entwickelte er einen Ausreiseplan nach Ägypten, doch stattdessen endete die Geiselnahme in einer katastrophal gescheiterten Befreiungsaktion am Flughafen Fürstenfeldbruck mit 17 Toten. Trotz Dankesschreibens des Auswärtigen Amts wurde Magdi zwei Wochen später in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ausgewiesen und verbrachte zweieinhalb Jahre im ägyptischen Exil. Nach einem zehnjährigen Rechtsstreit erhielt er ein garantiertes Aufenthaltsrecht, erst 20 Jahre nach der Ausweisung wurde er eingebürgert. Kamera: Aiman Atef Produktion: Manuel Correa, Martin DrumlMusik: Nour AshourGrafic Design des Logos: Mona Henry