Vergleichen wir die "klassische Musik" mit einem Teich, könnte man sagen: Wir hören heute nur noch die Frösche quaken. Was sich aber um deren herausragende Stimmen sonst noch in diesem Biotop getummelt hat, das haben wir zum allergrößten Teil vergessen.
Das "Gebet einer Jungfrau" aus der Feder der polnischen Komponistin Thekla Badarzewska-Baranowska etwa ist eines der vielen Lebewesen, die wir uns im selben Teich, in dem auch ein Chopin schwamm, ebenfalls vorstellen müssen: eine Art musikalischer Amöbe, wenig entwickelt, wenig differenziert, von ständigen Wiederholungen ge(kenn)zeichnet - und seinerzeit sensationell erfolgreich. Paul Bartholomäi nimmt sich solcher Werke am Rande des "klassischen" Repertoires an, beschäftigt sich mit dem Thema "Kitsch", aber auch mit dem meist zur Pose degenerierten Genre "Operngebet", und stellt natürlich die Frage, ob nicht auch bei den Tonheroen des 19. Jahrhunderts Tschaikowsky, Gounod oder Chopin billige Salonmusik durchschimmert.
Klassische MusikKultur & Gesellschaft
hr2 Notenschlüssel Folgen
Klassische Musik – noch Fragen? Paul Bartholomäi gibt ganz persönliche Antworten: In jedem Podcast entschlüsselt er ein anderes Werk, lässt Zusammenhänge hörbar werden, führt in die Welt der Komponisten. Weitere Folgen gibt’s hier ab dem 23. September.
Folgen von hr2 Notenschlüssel
62 Folgen
-
Folge vom 23.01.2026Badarzewska-Baranowska: Gebet einer Jungfrau
-
Folge vom 11.01.2026Notenschlüssel - Mozart: Eine kleine NachtmusikMusikalischen Zucker sollte man gut vertragen, wenn Mozarts "Eine kleine Nachtmusik" auf dem Programm steht - aber wo kommt der süßliche Kult um diese so einfach und übersichtlich gestrickte Musik eigentlich her? Wo doch eine Aufführung zu Mozarts Lebzeiten gar nicht nachweisbar ist... Um der Legende um diese Serenade auf die Spur zu kommen, stöbert Paul Bartholomäi in der älteren Mozart-Literatur, die diesem heute etwas überstrapazierten Stück überraschenderweise wenig Bedeutung beimisst. Er findet dabei auch den Hinweis auf ein "Schwesterwerk", dem er ausführlich nachgeht, Mozarts "Ein musikalischer Spaß".
-
Folge vom 05.01.2026Notenschlüssel - Ferruccio Busoni: "Elegien - sieben neue Klavierstücke"Eine "Schicksalssymphonie" sind die sieben "Elegien" von Ferruccio Busoni sicherlich nicht, obwohl sie in den "Schicksalsjahren" der "Neuen Musik" um 1907 mitmischen; "Elegien" sind sie aber auch nicht, denn wirklich "Elegisches" lässt der Tastenlöwe in der Nachfolge von Franz Liszt da nicht hören... Immerhin vermeinte der längst schon erfahrene Komponist, erst jetzt wirklich mit dem Komponieren zu beginnen. Paul Bartholomäi hat einiges aufzuschlüsseln: Er benutzt die "Sieben Elegien" als eine "Aussichtsplattform", von der aus man wunderbar in die verschiedenen Landschaften von Busonis Oeuvre blicken kann: in die steilen Berge des Klavierkonzerts, die teils gewaltigen Felsen der Bach-Bearbeitungen, die Mozart-Hügelchen in Busoni-Farben oder in die geheimen Kammern der Prinzessin Turandot - die gleichnamige Oper Busonis war noch im Werden.
-
Folge vom 05.01.2026Notenschlüssel - Rameau: Les Indes galantesSie gibt schon im Titel Rätsel auf: die Ballettoper "Les Indes galantes". Was genau ist jetzt eigentlich eine Ballettoper? Eine Oper mit Tänzen? Oder ein Ballett mit Gesang? Und wie um alles in der Welt übersetzt man "Les Indes galantes" - bestimmt nicht "Die galanten Inder" oder gar "Indianer"... Hat da der bereits über 50 Jahre alte Komponist und Musiktheoretiker Jean-Philippe Rameau lauter "Freitage" singen lassen? Wohlgemerkt: "Freitag" als der von Robinson Crusoe gerettete Ureinwohner: Der Roman des englischen Schriftstellers Daniel Defoe erschien keine zwanzig Jahre vor Rameaus Ballettoper. Paul Bartholomäi führt durch diese musikalische Weltreise im Namen der Liebe und löst unterwegs auch das eine oder andere Rätsel.