
Hörspiel
"So ein Schatten ist der Mensch" von Friederike Mayröcker
Friederike Mayröcker gilt als eine der prägendsten Autorinnen der heutigen österreichischen Literatur. Über viele Jahre hat sie die Trennungslinien zwischen Gedicht, Erzählung und Hörspiel neu definiert, wodurch sie eine einzigartige poetische Ausdrucksweise entwickelte. Ihr Werk "So ein Schatten ist der Mensch", das Anfang der 1980er-Jahre entstanden ist, zählt zu ihren beeindruckendsten Kreationen im Hörspielbereich.
Von Anfang an muss man sagen, dass "So ein Schatten ist der Mensch" kein Hörspiel klassischer Art darstellt, das sich durch Handlung und Spannungsbogen auszeichnet. Vielmehr handelt es sich um eine poetische Klanglandschaft voller Erinnerungen, Bilder und Ideen. Aus Erinnerungen an die Kindheit und biografische Elemente entsteht eine verflochtene Erzählung aus Stimmen, Eindrücken und Gefühlen, in der die verborgenen und verletzlichen Aspekte der menschlichen Existenz thematisiert werden.
Das Hörspiel beginnt mit Kindheitsszenen und entwickelt sich allmählich zu einem Dialog zwischen Mann und Frau. Daraus formt sich ein engmaschiges Geflecht von Beobachtungen, Empfindungen und Erinnerungen, bei dem das normalerweise Ungesagte ebenso Ausdruck findet wie eine essentielle menschliche Erfahrung: der Verlauf der Zeit. Zahlreiche persönliche Erlebnisse Mayröckers fließen in das Werk ein, darunter Erinnerungen an den Vater, die Großmutter, die Schulzeit, das erste Gedicht bei der Betrachtung eines brennenden Fliederstrauchs oder auch die Geschichten der Eltern über ihre Geburt, die sie mit eigenen Vorstellungen und Fantasiebildern verbindet. Diese Erinnerungsreise wird in Anlehnung an die Jahreszeiten strukturiert: Kindheit entspricht dem Frühling, Liebe dem Sommer, Rückblick dem Herbst und Auflösung sowie Selbstauflösung dem Winter.
Durch "So ein Schatten ist der Mensch" zeigt sich Friederike Mayröcker erneut als Künstlerin, die das Hörspiel nicht nur als literarisches Format sieht, sondern als eigenständige akustische Kunstform. Im Mittelpunkt steht dabei das Thema der Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz, die Vergänglichkeit, die Suche nach Nähe und die Flüchtigkeit des Lebens.
Zum Autor
Friederike Mayröcker kam am 20. Dezember 1924 in Wien zur Welt und verstarb am 4. Juni 2021 in ihrer Heimatstadt. Sie ging auf eine Privatschule, später wechselte sie auf eine Hauptschule und schließlich auf eine kaufmännische Wirtschaftsschule. Besonders geprägt haben sie jedoch die Sommermonate bis zum elften Lebensjahr in Deinzendorf. Nach ihrem Schulabschluss legte sie die Staatsprüfung für Englisch ab und arbeitete zwischen 1946 und 1969 als Lehrerin an verschiedenen Wiener Hauptschulen. 1939 begann sie bereits mit ersten literarischen Arbeiten, die sie später veröffentlichte.
""So ein Schatten ist der Mensch" von Friederike Mayröcker" im Überblick
"So ein Schatten ist der Mensch" von Friederike Mayröcker
von Friederike Mayröcker
Mit Libgart Schwarz, Peter Fitz, Sonja Földes und Sabine Steiner
Produktion: 1983
| Sendezeit | Sa, 22.08.2026 | 14:00 - 15:00 Uhr |
| Sendung | Ö1 "Hörspiel" |