
NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 23.08.2022Der Kampf um das deutsche KabelnetzMittlerweile hat es sich rumgesprochen. Die Regierung Schmidt hatte bereits 1981 Pläne für einen bundesweiten Glasfaserkabelausbau beschlossen, der nach der Machtübernahme durch die Regierung Kohl schon ein Jahr später auf Eis gelegt wurde. Stattdessen wurden fleißig Kupferkabel verlegt. Folge dessen im Großen ist, dass Deutschland, was die Galsfaserinfrastruktur betrifft, ein Schlusslicht Europas ist, und im Kleinen, dass der Cutter dieses Podcasts, in Berlin lebend, keinen Glasfaseranschluss im Haus hat und beim Upload der fertigen Folgen ewig warten muss … 1922 befand sich Deutschland, was das Kabelnetz anging, auch an einem Scheideweg. Die Frage, wie sie die Vossische Zeitung vom 23.8. präsentiert, lautete damals: überirdisch oder unterirdisch verlegen? Paula Leu gräbt sich für uns in die Materie ein.
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Folge vom 22.08.2022Soll der Zoo schließen?Der Berliner Zoologische Garten litt während des Ersten Weltkrieges und in den Jahren danach an Geldnot. Als einer der artenreichsten Zoos der Welt konnte er sich das notwenige Personal, um die Tiere zu versorgen, nicht mehr leisten. Im Sommer 1922 dachte die Leitung darüber nach, den Zoo im besucherschwachen Winter ganz zu schließen, dabei Tiere zusammenzulegen, um Heizkosten zu sparen und um die notwendige Personalreduktion durchzuführen. Der Vorwärts vom 22. August berichtet über diese Pläne, die dann tatsächlich umgesetzt wurden. Der Zoo blieb – bis auf das Aquarium – vom 1. Oktober 1922 bis zum 30. März 1923 geschlossen. Frank Riede liest.
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Folge vom 21.08.2022Hasskommentare am TelefonAnonyme Hasskommentare und Pöbeleien, die ungeahndet bleiben, sind ein großes Problem der sozialen Medien. Der technisch ermöglichte, weitestgehend sanktionsfreie Raum wird genutzt, um andersgesinnte Personen unflätig zu beschimpfen. Neu ist das Phänomen freilich nur in Bezug auf die potentielle Reichweite solcher Postings. Denn schon das Telefon bot in den Zwanziger Jahren die Möglichkeit, ohne seinen eigenen Namen zu nennen, eine Schimpfkanonade loszuwerden. Kurt Tucholsky, alias Ignaz Wrobel schildert in der Berliner Volkszeitung vom 21. August seinen Umgang mit diesen Anrufern, die er „Helden am Telephon“ nennt. Paula Leu hört für uns die Telefonate ab.
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Folge vom 20.08.2022Thomas Mann: “National und International”Der deutsche Nobelpreisträger Thomas Mann ist bekanntlich nicht als Republikaner auf die Welt gekommen, sondern entwickelte sich zu einem solchen erst zu einem durchaus schon fortgeschrittenen Zeitpunkt seines Lebens im Laufe der Weimarer Jahre. Ein Schlüsselerlebnis auf diesem Weg weg vom antidemokratischen Nationalkonservativismus, den er noch 1918 in seinen „Betrachtungen eines Unpolitischen“ ausgebreitet hatte, markierte angeblich die Ermordung Walther Rathenaus im Juni 1922, und tatsächlich entstanden in der Folge mehrere Artikel, in denen sich die kopernikanische Wende in der politischen Biographie Manns abzuzeichnen beginnt. Als Schlüsseltext genannt wird hier gewöhnlich seine Laudatio anlässlich von Gerhard Hauptmanns 60. Geburtstag „Von deutscher Republik“ vom 13. Oktober 1922. Aber auch schon sein Essay „National und international“, den die Vossische Zeitung am 20. September abdruckte, deutet an, das sich Thomas Mann im nationalen Lager ohne Dialektik nicht mehr recht wohlfühlte. Wegen seiner historischen Bedeutung in voller Länge liest diesen Text: Frank Riede.