
NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 08.09.2022Die Verschandlung der SchulhöfeDie Herausforderungen des Klimawandels in den urbanen Zentren, etwa die überhitzten städtischen Betonwüsten, sind gerade diesen Sommer ein großes Thema. Die Städteplaner diskutieren Entwürfe mit Grünflächen, weniger Parkplätzen und mehr Bäumen. Unser heutiger Artikel aus der Berliner Volks-Zeitung vom 8. September 1922, der tituliert ist „Die Verschandlung der Schulhöfe“, möchte die Bäume der Schulhöfe retten, um wenigstens diese grünen Lungen zu erhalten. Das heißt, es geht weniger um Graffiti und Vandalismus, sondern vielmehr um den Plan der Stadt Berlin, die Schulhöfe abzuholzen, um dort Turn- und Sportmöglichkeiten zu schaffen. Frank Riede liest.
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Folge vom 07.09.2022Ein Abend im CaféJede Großstädterin, jeder Großstädter weiß: Es gibt nichts Lässigeres, als zeitlos in einem Café zu sitzen und die anderen Leute zu beobachten. Selma Fischer hat eben dies gemacht, die Eindrücke eines Abends protokolliert und am 7. September 1922 in der Berliner Volks-Zeitung veröffentlicht. Wir wissen nicht, wo sie saß und woher die Passantinnen und Passanten, die sie beobachtet, kamen, respektive wohin sie gingen. Und dennoch sind sie uns nach ein paar Minuten, in denen wir nichts voneinander wussten, seltsam vertraut. Nach einhundert Jahren noch einmal zum Leben erweckt werden sie für uns von Paul Leu.
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Folge vom 06.09.2022Der Goldschatz im GrunewaldUm echte Goldgräberstimmung zu entfachen, reicht manchmal ein einfaches Gerücht. Unter den Arbeitern der Wernerwerke in Siemensstadt verbreitete sich dereinst die Mär von einem Goldschatz im Grunewald wie ein Lauffeuer, und Dutzende von Schürfern, glaubt man dem Vorwärts vom 6. September 1922, machten sich in jenen Tagen auf nach dem Eichkamp, um dort zu heben, wo es natürlich nichts zu heben gab. Schließlich vertonen wir hier nicht die Märchen der Gebrüder Grimm, sondern Artikel aus den Großstadtzeiten von vor einhundert Jahren. In deren kleinkriminellen Sumpf begibt sich Frank Riede.
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Folge vom 05.09.2022Überlegungen zum BerufswechselDiskontinuierliche Berufsbiographien, glauben wir gerne, seien die Signatur unserer fortgeschrittenen, digitalen Moderne, aber selbstredend ist das eine arg verkürzte, unhistorische Sichtweise. Auch schon frühere Epochen kannten technologische, gesellschaftliche oder persönliche Brüche, die es mitunter notwendig machten, ‘umzusatteln‘, und eben davon handelt der folgende Artikel aus der Berliner Morgenpost vom 5. September 1922. Heute weitgehend vergessen, hatte das veränderte Wirtschaftsleben der Nachkriegszeit damals unzählige Männer und Frauen in neue, ungelernte Tätigkeiten gezwungen, was Autor Hans Ostwald durchaus nicht schreckt, sondern ihn an die seinerzeit noch gar nicht so weit zurückreichende Umbruchszeit der Industrialisierung erinnern lässt. Wenn aus Landwirten Fabrikarbeiter werden konnten, musste das doch auch umgekehrt möglich sein. Es liest Paula Leu.