
NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 20.09.2022Nekrolog auf SchwabingOskar Maria Graf, Ricarda Huch, Hugo Ball, Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann, Thomas Mann, Rainer Maria Rilke, Ernst Toller oder Karl Valentin – nur ein Bruchteil der Künstlerscharen, die zumindest Zeitweise in München-Schwabing gelebt haben und damit am Image des Stadtviertels als Kristallisationspunkt der Künstler-Bohème mitgewirkt haben. Das frühere Dorf Schwabing, urkundlich bereits 782 erwähnt, also älter als München selbst, wurde, längst zum Stadtteil Münchens geworden, nach der Neugründung der Kunstakademie im Jahre 1885, zum Künstlerviertel. Ob der Künstlerglanz auch 1922 noch strahlte, beurteilte das 8Uhr-Abendblatt am 20. September. Paula Leu war für uns vor Ort.
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Folge vom 19.09.2022Der akustische FilmAus heutiger Rückschau erscheint uns die Entwicklung vom Stummfilm zum Tonfilm als ein logischer und zwangsläufiger Schritt. Daher gilt es unseren Blick auf den Stummfilm davon zu befreien, ihn nur als Tonfilm minus Ton, als Vorstufe zu betrachten. Während es in den Zwanziger Jahren begeisterte Unterstützer der Tonfilmexperimente gab, erhoben sich auch zahlreiche Stimmen, die den Stummfilm als Kunstform gegen die Hinzufügung des Tons verteidigten. Am 17.9.1922 präsentierten die drei Erfinder Hans Vogt, Jo Engl und Joseph Massolle im Berliner Kino Alhambra vor etwa 1000 Gästen das Triergon-Verfahren, ein Lichtton-Verfahren, bei dem eine Tonspur direkt auf das Filmmaterial aufgetragen wird, die mit entsprechendem Projektor synchron zum Bild wiedergegeben werden kann. Diese Aufführung sorgte für viel Aufsehen, wurde begeistert aufgenommen, fand aber auch das Unverständnis derer, die für den Stummfilm keinen Ton brauchten. Welche Position Herbert Ihering im Berliner Börsen-Courier vom 19. September vertrat, weiß Frank Riede.
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Folge vom 18.09.2022Der Wirtschafts-LiberalismusNicht nur aktuell ringt der Liberalismus in Deutschland um seine Ausrichtung. Nach Jahrzehnten, in denen der wirtschaftliche Neoliberalismus in den Vordergrund trat und andere klassische Themenfelder, wie den Kampf für das Selbstbestimmungsrecht und die Freiheit gegenüber dem Staat in den Hintergrund drängte, stellt sich die Frage, ob diese Fokussierung auf eine sich selbst regulierende Wirtschaft noch zeitgerecht ist. Vor 100 Jahren suchten die liberal gesinnten Kräfte in der Deutschen Demokratischen Partei auf ihrer Eisenacher Tagung nach einem wirtschaftspolitischen Konzept. Der Mitbegründer dieser Partei Carl Wilhelm Petersen hielt eine viel beachtete programmatische Rede, über die im Berliner Börsen-Courier vom 18. September ausführlich berichtet wurde. Frank Riede klärt uns darüber aus, wem man das Schiff der deutschen Wirtschaft anvertrauen sollte.
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Folge vom 17.09.2022Nach dem Verbot der D.A.Z.Dass in den ersten Septembertagen in diesem Podcast keine Texte aus der Deutschen Allgemeinen Zeitung zur Anhörung kamen, war ausnahmsweise einmal keine Frage unserer redaktionellen Auswahl. Die D.A.Z. war auf Basis des nach dem Rathenau-Attentat beschlossenen Republikschutzgesetzes wegen „Herabwürdigung von Mitgliedern der Reichsregierung“ kurzzeitig verboten worden. Eine durchaus umstrittene Maßnahme, nicht nur bei ihren Kollegen von der rechtskonservativen Presse, die teils heftig gegen diese Anwendung protestierte. Dass sich die D.A.Z. selbst nach Wiederzulassung dem anschloss, nimmt wenig Wunder. In einem Rundumschlag attackierte sie ein paar Tage später, am 17. September 1922, einmal mehr Regierung und Gerichte, die Sozialdemokratie und das westliche Ausland. Konkret war dies in diesem Fall die englische Presse, mit der die D.A.Z., wie dem Artikel zu entnehmen, bereits wieder in neue Händel verstrickt war. Es liest Paula Leu.