
NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 27.09.20221000. Folge "Auf den Tag genau": Hunde-Rennen im GrunewaldLegt man die Frequenz der Berichterstattung in der Berliner Tagespresse zugrunde, so war der beliebteste Sport in den frühen 1920er Jahren nicht Fußball und nicht Boxen, weder Motor-, noch Wintersport, sondern das gute alte Pferderennen. Konkurrenz bekamen die großen Vierbeiner seinerzeit aber offensichtlich von kleineren Vierbeinern: Der Berichterstatter der Neuen Zeit hat sich zunächst geziert, dann aber doch zum Besuch eines Hunderennens im Grunewald überzeugen lassen und zeigt sich in seinem Artikel vom 27. September 1922, wenn auch nicht enthusiasmiert, so doch durchaus angetan von der Veranstaltung. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 26.09.2022Im Büro der TschekaEin Wesenszug von modernen totalitären Systemen besteht in der Verbreitung von Angst, die sich aus einer nur nach außen hin auf Gesetzen basierenden Gewalt speist, welche vielmehr willkürlich ist und jederzeit und überall jeden treffen kann. Auf ein neues und grausiges Niveau hob diesen Unterdrückungsmechanismus das junge bolschewistische Russland. Im Dezember 1917 wurde eine Geheimpolizei mit großen Vollmachten unter dem Kürzel Tscheka gegründet, ausgeschrieben und übersetzt lautete der Name: Außerordentliche Allrussische Kommission zur Bekämpfung von Konterrevolution, Spekulation und Sabotage. Von ihnen Zuhause, auf der Straße oder auf dem Arbeitsplatz zu einem Gespräch abgeholte Personen tendierten dazu, nie mehr wieder aufzutauchen. Von diesem Alltagsterror berichtet für die Vossische Zeitung vom 26. September 1922 die 1880 geborene Archäologin Tatiana Warscher, die später Russland verließ und sich Ausgrabungen in Pompeji widmete. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 25.09.2022Die historische Stunde: (U)SPDDie Geschichte der Arbeiterparteien ist gefüllt von Abspaltungen, Wiedervereinigungen, und oftmals erbitterter Feindschaft. Aus einer Abspaltung des eher linkeren Flügels der SPD, der damit gegen eine Unterstützung des Kriegskurses der Reichsregierung protestierte, entstand im Jahre 1917 die USPD, die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands, deren publizistisches Organ, die „Freiheit“, diesem Podcast immer wieder Futter geliefert hat. Die USPD lavierte mehrere Jahre zwischen den Positionen der SPD und denen der Kommunistischen Partei, durchlief aber auch schwere Krisen, etwa in der Entfremdung des Gründungsmitgliedes Karl Kautsky von der Partei. Am 24. September 1922 kehrte der nun eher rechtere Flügel der USPD und mit ihm etwa zwei Drittel der Mitglieder in den Schoß der Mehrheits-Sozialdemokratie zurück. Zahlreiche andere Mitglieder wiederum traten der KPD bei, so dass nur noch eine kleine Splitterpartei zurückblieb. Die Freiheit vom 25. September feiert diese historische Wiedervereinigung – und mit ihr Paula Leu.
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Folge vom 24.09.2022Graesers Komische WeltreiseDass der heute für seine gern im Dialekt gehaltenen Berlinromane bekannte Erdmann Gräser in der Vossischen Zeitung vom 24.9.1922 mit einem Reisebericht in Erscheinung tritt, ist an sich schon eine Überraschung. Dass diese Reise auch noch eine Weltreise mit erstem Ziel Konstantinopel sein soll, lässt einen staunen. Und doch nimmt Gräser seine Leser mit auf eine Fahrt gen Osten, mit wenig Gepäck, aber Unmengen nützlichem Kram in den Taschen. In Trampke muss der Zug gewechselt werden, In Jakobshagen wird Mokka aus gebrannter Gerste zubereitet und endlich am Ziel angekommen läuft einem gleich am Stadtrand der letzte noch verbliebene Hund von Konstantinopel in die Beine. Eine Komische Weltreise. Es liest Frank Riede.