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Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 12.09.2022Die neue Große Volksoper im Theater des WestensTrotz aller Wirtschafts- und Finanzkrisen war die Musiktheaterlandschaft im Berlin der frühen 1920er Jahre gewohnt vielfältig: Neben der altehrwürdigen Staatsoper gab es, als zweite ‘ernsthafte‘ Bühne, das Deutsche Opernhaus in Charlottenburg sowie unter anderem mit der Alten Komischen Oper, dem Admiralspalast oder dem Metropol-Theater eine ganze Reihe von Heimstätten für die leichte Muse wie Operette oder Revue. Was Berlin bis dahin indes noch nicht vorzuweisen hatte, war eine Volksoper mit anspruchsvollen Musiktheaterangeboten für ein breiteres, weniger zahlungskräftiges Publikum, wie man sie etwa aus Paris und Wien kannte und man sie nunmehr auch hier in einer veränderten, republikanischen Kulturlandschaft für unerlässlich hielt. Quartier nahm die neugegründete Berliner Große Volksoper im Sommer 1922 im Theater des Westens. Nach einer Woche ihres Bestands wagte sich die Berliner Volks-Zeitung am 12. September in Person ihres Kritikers Lothar Band an eine erste Bilanz, die für uns Frank Riede nachvollzieht.
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Folge vom 11.09.2022Die Katastrophe von Smyrna INicht überall war mit dem Ersten Weltkrieg 1918 auch wirklich der Krieg vorbei. An vielen Fronten gingen die Kämpfe umstandslos in Nachfolgekonflikte über, die das Vorangegangene nicht selten an Grausamkeit sogar noch übertrafen. Zu den blutigsten diesbezüglichen Auseinandersetzungen zählt der sogenannte Griechisch-Türkische Krieg, in dem die Griechen, als Gewinner des Weltkriegs, ab 1920 weite Teile Westkleinasiens besetzten, aus denen sie von den Truppen Mustafa Kemals jedoch zwei Jahre später wieder vertrieben wurden. Verbunden damit waren grausame Feldzüge auch gegen die Zivilbevölkerung, die im September 1922 in einem entsetzlichen Massaker an den christlichen Bevölkerungsgruppen im heutigen Izmir, griechisch: Smyrna, kulminierten. Gerüchte davon erreichten bald auch die ferne deutsche Hauptstadt. Auf Basis unterschiedlichster Agenturmeldungen versucht das Berliner Tageblatt vom 11.9. sich und seinen Leserinnen und Lesern ein einstweilen noch sehr unscharfes Bild von den Vorkommnissen zu machen. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 10.09.2022Vandalismus im Alten MuseumVor zwei Tagen ging es um die Verschandlungen der Schulhöfe, heute um die Verschandlungen des Alten Museums auf der Museumsinsel. Nachdem man die Treppe zum Eingang hinaufgestiegen ist und sich umdreht, blickt man auf den Lustgarten, links der Dom und vis-a-vis nun das Humboldt-Forum mit Schlossfassade. Dabei steht man in einer weitestgehend leeren eindrucksvollen Säulenhalle. Vor 100 Jahren schmückten diese Säulenhalle Wandgemälde und es waren dort Statuen bedeutender deutscher Künstler und Architekten des 18. und 19. Jahrhunderts aufgestellt. Nun war der Lustgarten, wie auch noch heute, ein beliebter Ort um Versammlungen und Demonstrationen abzuhalten. Und genau bei solchen litt die öffentlich zugängliche Säulenhalle nicht nur unter „Wildpinklern“, sondern auch unter Beschmierungen und gravierenden Schädigungen der Statuen. Eine Schande für Berlin und Deutschland, fand die Vossische Zeitung und appellierte am 10. September 1922 an die Verantwortlichen, diese Missstände zu beheben. Frank Riede, ein gern gesehener Gast auf Empfängen in dieser Säulenhalle, liest.
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Folge vom 09.09.2022Die Orgien der FremdenpolizeiHinter dem Titel unserer heutigen Folge „Die Orgien der Fremdenpolizei“ verbirgt sich nicht ein Rotlichtmilieu-Skandal einer Polizeiabteilung, die beim Betriebsausflug über die Stränge geschlagen hat, der Begriff bezieht sich hier eher auf Verwaltungsorgien. Der Vorwärts vom 9. September 1922 prangert die bürokratischen Hürden an, die ausländischen Arbeitskräften auferlegt werden. Besonders im Fokus der Zeitung sind allerdings die deutschsprachigen Arbeiterbrüder aus Österreich, der Tschechoslowakei oder Polen, für deren reibungslosen Arbeitseinsatz in Deutschland man kämpft. Paula Leu listet die Schikanen auf.