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Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 05.10.2022Nachwuchshoffnung Bertolt BrechtDass ein gerade 24jähriger Jungdramatiker, der, abseits der Hauptstadt, soeben sein allererstes Stück auf die Bühne gebracht hatte und zuvor allenfalls mit etwas Kleinkunst auffällig geworden war, mit einem spaltenlangen Porträt geehrt wurde, passierte selbst im üppigen Feuilleton des Berliner Börsen-Courier nicht alle Tage. Dessen Theaterkritiker Herbert Ihering bewies jedoch einen sehr guten Riecher, als er es am 5. Oktober 1922 nicht bei einer Rezension der Münchener Uraufführung von Trommeln in der Nacht bewenden ließ, sondern diese zum Anlass nahm, ihren Autor Bertolt Brecht – von niemand anderem ist hier nämlich die Rede – kurzerhand zur größten Begabung der zeitgenössischen deutschen Dramatik auszurufen. Ihering hatte, wie wir erfahren, bereits auch die noch nicht aufgeführten Stücke Baal und Im Dickicht gelesen und erspürt, dass hier ein Dramatiker aus der Modewelle expressionistischer Zeitstücke herausragte. Er sollte sich bekanntlich nicht täuschen. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 04.10.2022Der AstronomWohl nichts auf der Welt hat den Menschen seit eh und je so fasziniert wie der Blick in der Sterne. Der technische Fortschritt ließ das, was man dort zu sehen bekam, mit der Zeit immer plastischer und konkreter werden und zunehmend auch Laien an diesem astronomischen Abenteuer teilhaben, und das durchaus nicht nur in den vielerorts mittlerweile bestehenden Planetarien. Das 8-Uhr-Abendblatt berichtet in seiner Ausgabe vom 4. Oktober 1922 von einem offensichtlich philanthropisch gesonnenen Zeitgenossen, der ein Teleskop sein Eigen nannte und dies für einen verschwindend geringen Obolus seinen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen zur Verfügung stellte. So konnte man namentlich am Wittenbergplatz seinerzeit noch weit höher hinaus reisen als nur bis in die Lebensmittelabteilung des KadeWe. Frank Riede war für uns dabei.
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Folge vom 03.10.2022Das Rathenau-Attentat vor dem Strafgerichtshof der RepublikDas Attentat auf Außenminister Walther Rathenau am 24. Juni 1922 hatte die fragile deutsche Republik erschüttert wie kein Ereignis zuvor. Nachdem die fieberhafte Suche nach den Tätern anfangs wenig erfolgreich verlief, führten Zeugenaussagen in Thüringen die Polizei schließlich auf die Schliche der mutmaßlichen Schützen Erwin Kern und Hermann Fischer, die bei dem Zugriff jedoch beide – in einem Fall durch eine Polizeikugel, im anderen durch Suizid – ums Leben kamen. Es blieben 13 weitere Verdächtige, denen ab dem 3. Oktober 1922 unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit vor dem neugebildeten Strafgerichtshof der Republik in Leipzig der Prozess gemacht wurde. Den Auftakt dazu nahm im Berliner Tageblatt dessen renommierter Ressortleiter für Innenpolitik Ernst Feder zum Anlass für einen Kommentar, in dem er seiner Hoffnung Ausdruck verlieh, dass die Weimarer Justiz sich diesmal nicht wieder auf dem rechten Auge als blind erweise und endlich auch die Hintermänner und Financiers des rechten Terrors zur Rechenschaft ziehe. Sein Plädoyer liest Paula Leu.
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Folge vom 02.10.2022Rückkehr der FerienkinderDie Zustände in den großen Arbeiter-Wohnblöcken in Neukölln, im Wedding, oder im Prenzlauer Berg sind hinlänglich bekannt. Geteilte vormoderne Sanitäranlagen, Großfamilien oder mehrere Familien in einer beengten Wohnung, Dunkelheit, Betten, die man sozusagen im Schichtbetrieb untereinander teilt. Für die Familien, die in diesen Siedlungen lebten, war ein Sommerurlaub in der Natur, am Meer, auf dem Land schlichtweg nicht finanzierbar. Drum organisierten Wohlfahrtsverbände Sommerurlaube für Kinder bei temporären Pflegefamilien in ländlichen Gegenden. Rund 75.000 Kindern wurde so eine Erholung in gesunderer Umgebung ermöglicht. Erdmann Graeser nimmt für die Vossische Zeitung vom 2. Oktober 1922 die letzten Heimkehrenden am Bahnhof in Empfang. Seine Eindrücke liest Frank Riede.