Die heute vorgestellten Bücher erzählen von einer Reise in die Vergangenheit: Nothomb trifft in Japan auf ihr früheres Ich, Hübl lässt seine Figuren in die Tschechoslowakei der 1950-er Jahre fahren.
Die belgische Autorin Amélie Nothomb kehrt nach Jahren mit einer Freundin nach Japan zurück. Japan ist der Sehnsuchtsort ihrer Kindheit und frühen Erwachsenenjahre. Zwischen Kyoto, Nara und Tokio entfaltet sich eine Reise voller Wiederentdeckungen, Irritationen und leiser Komik. Doch je näher sie den Orten ihrer Vergangenheit kommt, desto deutlicher wird: Eine Rückkehr ist unmöglich. Nostalgisch, selbstironisch und berührend erzähle Nothomb von der Begegnung mit dem früheren Ich, meint Annette König.
Der tschechische Autor Ondřej Hübl schickt seine Figuren auf eine Ferienreise der ganz besonderen Art: Josef Kaarls, schwerreicher Besitzer einer KI-Firma, will seiner antikapitalistisch aufbegehrenden Tochter zeigen, wie schlimm der Kommunismus gewesen sei. Darum bezahlt er ein kleines Vermögen dafür, dass eine darauf spezialisierte Firma ihn und seine Familie für einige Zeit in den tschechischen Kommunismus der 50er-Jahre zurückversetzt. Nur klappt das mit der Rückreise dann nicht ganz – und in der Folge entwickelt sich ein fast thrillerartiges Szenario rund um die Fragen, wer eigentlich gerade wen in der Hand hat und was Geld dabei für eine Rolle spielt. Simon Leuthold war von diesem Buch, das er trotz des künstlichen Settings in den 50er-Jahren für ziemlich aktuell hält, bestens unterhalten.
Buchhinweise:
Amélie Nothomb. Die unmögliche Rückkehr. Aus dem Französischen von Brigitte Grosse. 144 Seiten. Diogenes, 2026.
Ondřej Hübl. Der Vorhang. 400 Seiten. Aus dem Tschechischen von Daniela Pusch. Voland & Quist, 2026.
Kultur & Gesellschaft
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Folge vom 16.06.2026Aktuelle Buchempfehlungen: Amélie Nothomb und Ondřej Hübl
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Folge vom 09.06.2026Aktuelle Buchempfehlungen: Zum Tag der Schweizer LiteraturFriedrich Schiller, Tim Krohn, Martina Clavadetscher. Zum Tag der Schweizer Literatur stellen Markus Gasser und Simon Leuthold Schweizer Bücher vor, die sich auf Schweizer Sagen und Mythen beziehen. Sagen sind literarisch, schon aufgrund ihrer Zutaten: die einfache Erzählung, der geografisch definierte Schauplatz, die Handlung, die für etwas Allgemeineres steht. Dazu greift häufig das Übersinnliche oder Unerklärliche ein. Kein Wunder, bedienen sich Autorinnen und Autoren immer wieder bei Sagenstoffen und schreiben sie weiter. Ohne Schiller wäre Tell vielleicht nie zu grossem Ruhm gekommen. Ohne Frisch wäre Tell der unberührbare Sockelheld geblieben. Literaturclub Buchtipps mit Markus Gasser und Simon Leuthold stellt eine Reihe von Schweizer Romanen vor, deren Wurzeln in der hiesigen Sagenwelt liegen. Buchhinweise: · Martina Clavadetscher. Die Schrecken der anderen. 333 Seiten. C.H. Beck, 2025. · Max Frisch. Wilhelm Tell für die Schule. 112 Seiten. Suhrkamp, 2026. · Sophie Hunger. Walzer für Niemand. 192 Seiten. Kiepenheuer & Witsch, 2025. · Tim Krohn. Quartemberkinder. 320. Diogenes, 2018. · Tim Krohn. Vrenelis Gärtli. 432 Seiten. Diogenes, 2010. · Joachim B. Schmidt. Tell. 288 Seiten. Diogenes, 2022. · Hansjörg Schneider. Sennetuntschi. Mit einem Bericht von Thomas Hürlimann und einem Nachwort von Ulrich Weber. 224 Seiten. Diogenes, 2024. · Friedrich Schiller. Wilhelm Tell. 168 Seiten. Reclam, 2025. · C. F. Ramuz. Die grosse Angst in den Bergen. Antiquarisch erhältlich
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Folge vom 19.05.2026Aktuelle Buchempfehlungen: von den Solothurner LiteraturtagenIn dieser Bücherschau geben die SRF-Literaturredaktor:innen Einblick in ihre ganz persönlichen Lesevorlieben und teilen Bücher, die sie begeistert, überrascht oder berührt haben. Markus Gasser, Jennifer Khakshouri, Michael Luisier und Felix Münger sind zu Gast bei Annette König an den Solothurner Literaturtagen. Der Anlass fand vor Publikum statt und wurde am Sonntag, den 17. Mai in der Cantina del Vino in Solothurn aufgezeichnet. Buchhinweise: · Gianna Olinda Cadonau. Am Kantenhain. 133 Seiten. Lenos, 2026. · Veronika Sutter. Mein Bett gehört mir nur in der Nacht. 216 Seiten. Edition 8, 2026. · Elizabeth Strout. Erzähl mir alles. Aus dem Amerikanischen von Sabine Roth. 400 Seiten. Luchterhand, 2026. · Dimitré Dinev. Zeit der Mutigen. 1154 Seiten. Kein & Aber, 2026. · Olivier Guez. Die Welt in ihren Händen. Die Abenteuer der Getrude Bell in Mesopotamien. Aus dem Französischen von Nicola Denis. 416 Seiten. Kiepenheuer & Wisch, 2026. · Steff Stauffer. Gisch was hesch. 140 Seiten. Cosmos, 2026. · Lika Nüssli. Starkes Ding. Die Geschichte eines Verdingkindes, basierend auf den Erinnerungen meines Vaters. 232 Seiten. Edition Moderne, 2022. · Dana Grigorca. Tanzende Frau, blauer Hahn. 160 Seiten. Penguin, 2026. · Natascha Wodin. Die späten Tage. 288 Seiten. Rowohlt, 2026.
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Folge vom 12.05.2026Aktuelle Buchempfehlungen: Norbert Gstrein und Fatima DaasDer Krieg und seine Folgen im aktuellen Roman von Norbert Gstrein und eine Coming-of Age-Geschichte in der Pariser Banlieue von Fatima Daas. Dies die Themen in unserer Buchtipps-Sendung. Der Österreicher Norbert Gstrein erzählt in seinem aktuellen Buch «Im ersten Licht», wie Krieg Menschen zerstört – auch dann, wenn sie selbst gar nicht daran teilnehmen. Der Roman sei ein überzeugender Antikriegsroman und dabei hoch aktuell, sagt Literaturredaktor Felix Münger, der das Buch im Gespräch vorstellt. Kayden wächst in der Pariser Banlieue auf. Zwischen Schule, Freundschaft und familiärer Enge entdeckt sie ihre Gefühle für ihre Literaturlehrerin Garance. In einer kraftvollen und lebendigen Sprache erzählt Fatima Daas von der Notwendigkeit, sich neu zu erfinden, um eine Zukunft zu haben. Ein intensiver, moderner Coming-of-Age-Roman, mit politischem, emotionalem und atmosphärischem Zündstoff, findet Literaturredaktorin Annette König. Buchhinweise: Norbert Gstrein. Im ersten Licht. 416 Seiten. Hanser, 2026. Fatima Daas. Spiel das Spiel. Aus dem Französischen von Sina de Malafosse. 192 Seiten. Claassen, 2026.