Mit «Trag das Feuer weiter» beendet die marokkanisch-französische Schriftstellerin Leïla Slimani ihre autorbiografisch verwurzelte Familiensaga und mit «Der Fluss der Zeit» erscheinen nochmals Kurzgeschichten aus dem Nachlass des verstorbenen Schweizer Erfolgsautors Pascal Mercier.
Man kennt ihn für seinen Bestseller «Nachtzug nach Lissabon»: Pascal Mercier. 2023 verstarb der Schweizer Schriftsteller. Nun erscheint posthum ein Band mit Kurzgeschichten aus seinem Nachlass. «Der Fluss der Zeit» ringt mit elementaren Themen wie Freiheit, Identität und Vergänglichkeit. Fünf philosophische Miniaturen. Die letzte Zugabe Pascal Merciers. SRF-Literaturredaktorin Katja Schönherr stellt den Erzählband vor.
Mit «Trag das Feuer weiter» vollendet Leïla Slimani ihre dreiteilige Familiensaga. Die Trilogie erzählt von der 1974 in Marokko geborenen Mia, die zwischen Tradition und Globalisierung ihren Weg sucht und in Paris eine zweite Heimat findet. So baut Slimani Brücken zwischen Orient und Okzident und zeigt, wie Politik ins Private wirkt. Multiperspektivisch, lebendig, nah an der Realität liest sich Slimanis Roman in einem Zug weg, findet SRF-Literaturredaktorin Annette König.
Buchhinweise:
Pascal Mercier. Der Fluss der Zeit. 112 Seiten. Hanser, 2026.
Leïla Slimani. Trag das Feuer weiter. 448 Seiten. Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Luchterhand, 2026.
Kultur & Gesellschaft
BuchZeichen Folgen
«BuchZeichen» macht Lust aufs Lesen, ist Rettungsring im Büchermeer und bietet gute und intelligente Unterhaltung. «Buchzeichen» stellt Autoren und Büchermenschen vor, erzählt Geschichten aus und über Bücher oder gräbt Perlen aus: Vom Bestseller über die Sportlerbiographie, vom Reisebericht bis zum Klassiker hat alles Platz.
Folgen von BuchZeichen
50 Folgen
-
Folge vom 13.01.2026Aktuelle Buchempfehlungen: Pascal Mercier und Leïla Slimani
-
Folge vom 06.01.2026Aktuelle Buchempfehlungen: Aus dem Leben gegriffenJoan Didion hält in «Notizen für John» ihre eigenen Therapiegespräche für ihren Mann fest. Hu Anyan erzählt in «Ich fahr Pakete aus in Peking» von seinem Leben in Nebenjobs. Joan Didion (1934-2021) gehört zu den berühmtesten US-amerikanischen Autorinnen. Wegen ihrer gnadenlosen Polit- und Gesellschaftsreportagen ist sie bis heute Kult. Zudem war sie auf eine zerbrechliche und schusselige Weise sehr schön und wurde noch mit über 80 zum Gesicht des Modelabels Celine. Sie lebte ein glamouröses Leben im Umfeld von Hollywood, war hip und erfolgreich. Aber als Mutter sah sie sich gescheitert. Sie hatte ein Mädchen adoptiert, als es noch ein Baby war und hatte ihm ein gutes Leben geboten. Doch dann wurde Quintana schwer alkoholsüchtig. Quintanas Psychiater bat Didion darum, selbst eine Therapie zu absolvieren. Was Didion tat und die Therapiegespräche für ihren Ehemann John Dunne festhielt. Das Tagebuch «Notizen für John» wurde nun aus dem Nachlass veröffentlicht. Nicht ganz ohne Lärm – das sei doch taktlos etc. Enthüllungen finden sich aber kaum. Vielmehr geht es um verzweifelte Liebe, findet Franziska Hirsbrunner. Während seiner Zeit als Paketbote in Peking kämpft Hu Anyan mit riesigem Zeitdruck. Jede Minute, in der er kein Paket zustellt, kostet ihn einen Teil seines sowieso schon winzigen Lohns. Fehler werden mit Strafgebühren geahndet. Trotzdem begehrt er kaum auf – dafür liest er in seiner knappen Freizeit James Joyce oder Robert Musil. «Ich fahr Pakete aus in Peking» ist Hu Anyans Bericht über 20 Jahre prekäre Arbeit in Niedriglohnjobs in chinesischen Riesenstädten – immer so lang, bis Frust, Erschöpfung oder Langeweile zu gross wurden. In China wurde das Buch schon 2023, kurz nach seinem Erscheinen zu einem Hit – nun ist es auch in deutscher Übersetzung erschienen. Für Simon Leuthold eine eindrückliche Stimme von Ausgebeuteten, die selten zu Wort kommen. Buchhinweise: Joan Didion. Notizen für John. Aus dem Amerikanischen von Antje Rávik Strubel. 256 Seiten. Ullstein, 2025. Hu Anyan. Ich fahr Pakete aus in Peking. Aus dem Chinesischen von Monika Li. 295 Seiten. Suhrkamp, 2025.
-
Folge vom 30.12.2025Aktuelle Buchempfehlungen: Salman Rushdie und Philippe CollinDer indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie zeigt in seinem neuen Buch einmal mehr, was für ein wunderbarer Erzähler er ist. Und dem französischen Autor Philippe Collin gelingt zugleich ein fesselnder Thriller und ein eindringliches Zeitdokument. Salman Rushdie ist zurück. Zum ersten Mal seit der Messerattacke vom Sommer 2022 und nach dem «Aufarbeitungsbuch» «Knife» knapp zwei Jahre später erscheint jetzt wieder ein fiktionales Werk des Schriftstellers. Darin nähert er sich in fünf unterschiedlichen Erzählungen dem Thema Tod, mit dem er ja eine ziemlich intime Begegnung gehabt hat, wie Rushdie selber kürzlich in einem Interview sagte. Eine wunderbare Rückkehr eines grossen Erzählers, meint Literaturredaktor Michael Luisier, und eine Wiederbegegnung mit all den Orten, an denen Rushdies Geschichten von jeher spielen: Indien, England und die USA. Der Roman «Der Barmann des Ritz» spielt im legendären Pariser Hotel Ritz während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Im Zentrum steht der Barmann Frank Meier, eine reale Figur, die zwischen den Fronten agiert: Er bedient Nazis, Spione, Künstler und Widerstandskämpfer – und wird selbst Teil eines gefährlichen Spiels aus Loyalität, Verrat und Überleben. Die Geschichte verbindet historische Fakten mit einer spannenden, atmosphärischen Erzählung. Ein Buch, das zugleich fesselnder Thriller, eindrückliches Zeitdokument und aufschlussreiche Charakterstudie ist, findet SRF-Literaturredaktorin Annette König. Buchhinweise: Salman Rushdie. Die elfte Stunde. Fünf Erzählungen. Aus dem Englischen von Bernhard Robben. 288 Seiten. Penguin, 2025. Philippe Collin. Der Barmann des Ritz. Aus dem Französischen von Amelie Thoma. 447 Seiten. Insel, 2025.
-
Folge vom 23.12.2025Aktuelle Buchempfehlungen: Von Freundschaft und FamilienbandenDie Wienerin Lili Körber erzählt persönlich grundiert von einem Paar, das nach New York auswandert. Stefan Hertmans widmet sich einer berührenden platonischen Freundschaft zwischen zwei Männern. Und Elisa Shua Dusapin beschreibt mit grosser Zartheit die ambivalente Beziehung zweier Schwestern. Ein Roman, der vor 80 Jahren geschrieben wurde und erst heute erscheint: «Abschied von gestern». Die Wienerin Lili Körber (1897-1982) erzählt darin autobiografisch grundiert vom Exil. Schauplatz ist New York. Dorthin konnte sich ein gutbürgerliches jüdisches Ehepaar um 1940 vor den Nazis flüchten. Aber vom alten Leben ist ihnen nichts geblieben. Der Roman beginnt mit einer demütigenden Zimmersuche. Die Ignoranz Menschen gegenüber, die alles verloren haben, ist omnipräsent. Ein berührend zeitloses Buch über Flüchtlingsschicksale, findet SRF-Literaturredaktorin Franziska Hirsbrunner. Mit «Dius» legt der flämische Autor Stefan Hertmans seinen vierten Roman in deutscher Übersetzung vor. Einmal mehr sei Hertmans damit ein herausragendes Stück Literatur gelungen, findet Felix Münger. Es schildert eine Freundschaft zwischen zwei Männern, fernab von aller Erotik und Sexualität. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein – ein junger emotionaler Künstler und ein etwas älterer Intellektueller, welcher der rationalen Analyse zuneigt. Doch beide finden im Gegenüber jenen fehlenden Teil des eigenen Ichs, der sie beide zu ganzen Menschen macht. Agathe, Drehbuchautorin in New York, kehrt nach fünfzehn Jahren ins französische Périgord zurück, um mit ihrer Schwester Véra das Elternhaus auszuräumen. Neun Tage lang suchen die beiden Nähe – und stoßen auf Distanz. Alte Erinnerungen brechen auf, an die Kindheit, ans Schweigen. Denn Véra spricht seit ihrem sechsten Lebensjahr nicht mehr. Elisa Shua Dusapin inszeniert ein Kammerspiel von großer Intensität über die zerbrechliche Beziehung zweier Schwestern. Ihr Stil ist knapp, elliptisch, voller Pausen. Das Ungesagte wird zum Resonanzraum für Emotionen. Ein leiser, eindringlicher Roman, der im französischen Sprachraum begeistert aufgenommen wurde. Buchhinweise: Stefan Hertmans. Dius. Aus dem Niederländischen von Ira Wilhlem. 352 Seiten. Diogenes, 2025. Lili Körber. Abschied von gestern. Herausgegeben von Peter Graf. Aus dem Englischen von Beate Swoboda. 320 Seiten. Das Kulturelle Gedächtnis. Elisa Shua Dusapin. Damals waren wir unzertrennlich. Aus dem Französischen von Andreas Jandl. 144 Seiten. Kein & Aber, 2025.