In den USA war das Christentum schon immer anders als in Europa. Bislang überwogen dort allerdings fromme und bibeltreue Evangelikale. Doch mit dem Aufstieg Donald Trumps hätten christliche Nationalisten die Vormachtstellung übernommen, sagt Arnd Henze, der selbst Theologe ist und lange für den WDR und die ARD in den USA gelebt und gearbeitet hat. Ultranationalistische Christen sagten dem modernen Gesellschafts- und Rollenbild einen radikalen Kampf an, forderten das Ende der Demokratie und predigten dazu Militanz. „Was wir im Moment erleben ist, dass das Evangelikale immer weiter zurücktritt und die Verknüpfung mit Verschwörungserzählungen, die Verknüpfung mit historischen Erzählungen von Endkämpfen, dazu geführt hat, dass aus der Bibel, die sie als Ganzes wörtlich nehmen, am Ende nur noch ein paar ganz ausgewählte Bibelstellen wie die apokalyptischen Kampfszenen, die ja ganz anders gemeint waren, übriggeblieben sind.“ Arnd Henze, Mitglied der EKD-Synode, erklärt im Gespräch mit Martina Kothe, warum uns der christliche Nationalismus alle angeht. Es bestehe, sagt Henze, die Gefahr einer „nationalistischen Internationalen“.
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Bei "Das Gespräch" kommen Menschen zu Wort, die Stellung beziehen und Positionen vertreten: kulturell oder gesellschaftlich, kenntnisreich, vielfältig und nicht selten provokant. Mal sind sie prominent und in aller Munde, mal ausgewiesene Experten auf ihrem Gebiet. Gemein ist ihnen allen, dass sie Inspirierendes zu sagen haben zu den Themen unserer Zeit - und oft auch sehr Persönliches. Wir stellen drängende Fragen und rollen nicht einfach den roten Teppich aus.
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Folge vom 05.04.2026Mit Gott gegen die Demokratie - Arnd Henze im Gespräch
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Folge vom 29.03.2026Mit Schwesternschaft Deutschland verändern: Tülin und Düzen Tekkal im GesprächDie Tekkal-Schwestern Tülin, Düzen, Tugba, Tuna und Tezcan sind allesamt keine "Freizeitaktivistinnen", sondern engagieren sich jeden Tag mit der Menschenrechtsorganisation HÁWAR.help und verschiedenen Sub- und Neben-Initiativen wie der Bildungsbewegung "German Dream" und dem Fußball-Empowerment-Projekt für Mädchen "Scoring Girls". Jetzt haben die gebürtigen Hannoveranerinnen auch noch ein gemeinsames Buch geschrieben. In "Wut und Wärme" erzählen sie, wie sie mit Schwesternschaft Deutschland verändern.Alexandra Friedrich hat mit Tülin und Düzen Tekkal darüber gesprochen, was Schwesternschaft bedeutet und ob wir alle "Schwestern" sein können. Es geht im Gespräch auch darum, wie es ist, mit einer elfköpfigen Familie in einer Vierzimmerwohnung in Hannover-Linden zu leben und warum jesidisch sein, automatisch bedeutet, politisch zu sein.
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Folge vom 22.03.2026Odessa, Rom, Hamburg: Katerina Poladjan über Sehnsuchtsorte und das ErinnernIm Gespräch mit Maren Ahring spricht die frisch gekürte Preisträgerin über die Tücken des Erinnerns und denen des Erzählens, über vergessene und gegenwärtige Sehnsuchtsorte, über das Konstrukt des Lebens und das Entwickeln einer Sprache dafür. Bewegt, authentisch, nahbar.
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Folge vom 15.03.2026Der Raub der Werte von rechts - Gespräch mit Ruth HoffmannEs finde ein "Raubzug von rechts" statt, konstatiert die Historikerin und Journalistin Ruth Hoffmann nach ihrer akribischen Analyse von Wahl- und Grundsatzprogrammen der AfD, ihrer gründlichen Beschäftigung mit Veröffentlichungen, Reden und Posts von Rechtsaußen. Werte wie Nation, Freiheit, Familie, Demokratie und Widerstand, beschreibt sie in ihrem neuen Buch „Raubzug von rechts“, würden massiv umgedeutet und für die eigenen Zwecke missbraucht. Häufig unter bewusster Missachtung historischer Fakten. Im Gespräch mit Jürgen Deppe beschreibt Ruth Hoffmann, wie sich AfDler als aufrechte Widerständler gegen vermeintliche Machteliten und Missstände inszenierten und dazu Vorbilder wie Sophie Scholl, Graf von Stauffenberg und Dietrich Bonhoeffer instrumentalisierten. Wie sie sich in eine Tradition mit den deutschen Demokratiebewegungen von 1848 und 1989 stellten, obwohl sie im parlamentarischen Alltag die Demokratie mit allen Kräften torpedierten. Wie sie gesellschaftliche Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte zurückzuschrauben und etwa Familienpolitik zur "Bevölkerungspolitik" für ein ethnisch reines Volk umzumünzen versuchten.