Russische Welt - und Moskau als "drittes Rom". Gespräch mit dem Historiker Reinhard Krumm über Orthodoxie, Volkstum und Selbstherrschaft. Und Putins "katastrophale Fehleinschätzung".
Vielleicht hatte Wladimir Putin gehofft, durch das Auffahren russischer Militärtechnik und durch die Stationierung der 150.000 Soldaten noch einmal Druck auf den Westen ausüben zu können, meint Reinhard Krumm, Leiter des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Riga. "Für das, was er im Kern will: keine Nato-Mitgliedschaft, Neutralität, möglicherweise Anerkennung der Krim-Annexion und der Gebiete im Donbass." Da das diplomatisch offensichtlich nicht zu lösen war, schien ihm, dass das jetzt die beste Möglichkeit sei.
Eine "katastrophale Fehleinschätzung", sagt Krumm. Die Bereitschaft der Ukraine und ihrer Menschen so zu kämpfen, sei möglicherweise unterschätzt worden. Putin würde seiner Einschätzung nach aber noch immer "im Rahmen der Rationalität" handeln, allerdings einer, die "wir nicht mehr wahrgenommen haben". Denn für die EU ist Krieg schon lange kein Mittel mehr. Das allerdings würden die USA auch schon "immer ein bisschen anders" sehen. "Wir sollten auch nicht den Fehler machen, als ob das jetzt das Maximum ist, wozu die russische Armee fähig ist", meint Krumm. "Es gibt bestimmte Waffen, die noch gar nicht eingesetzt wurden."
Weitere Nachrichten: Friedensgespräche in Antalya gescheitert, Bischöfe für Waffenlieferungen.
Moderation, Redaktion: Lars Langenau
Redaktion: Franziska von Malsen, Antonia Franz
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Folge vom 10.03.2022Will Putin zurück zu imperialer Größe?
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Folge vom 09.03.2022Wie Kriegsverbrechen in der Ukraine geahndet werden könntenImmer häufiger gibt es Berichte über Kriegsverbrechen in der Ukraine. Wie könnten die bestraft werden und welche Rolle spielen internationale Gerichte dabei?
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Folge vom 08.03.2022Kann Europa auf Energie aus Russland verzichten?Mehr als die Hälfte des Gasbedarfs in Deutschland deckt Russland. Welche Folgen hätte ein EU-Embargo auf russische Energie? Fast die Hälfte des aktuellen europäischen Energiebedarfs wird mit russischem Gas, Öl und Kohle gedeckt. Und so fließen jeden Tag Millionen Dollar in Putins Kriegskasse. Ukraines Präsident Selenskij beklagt die Doppelmoral und fordert ein Embargo. Die Wirtschaft warnt aber vor einem Desaster und auch Kanzler Scholz ist dagegen. Nun wollen die Staats- und Regierungschefs der EU bei einem Gipfel Ende der Woche den Abbau der Abhängigkeit von russischer Energie beschließen. Als Reaktion darauf droht der russische Vize-Ministerpräsident Nowak mit dem Lieferstopp von Gas durch die nach Deutschland führende Ostsee-Pipeline Nord Stream 1. Der Benzinpreis ist inzwischen auf zwei Euro pro Liter gestiegen. "Die Märkte sind oft schneller als die Politik", sagt Bastian Brinkmann, stellvertretender Chef der SZ-Wirtschaftsredaktion. Da sei schon ein bisschen vorweggenommen, dass es vielleicht zu einem Öl- und Gas-Embargo kommen könnte. Beim Gas aber habe man auf den ersten Blick keinen Ausweg. Das sei das Erpressungspotenzial des Kremls."Aber was ist die Alternative?" fragt Brinkmann. "Wollen wir Putin einfach weiter machen lassen mit den Krieg in der Ukraine? Das ist aus meiner Sicht keine Alternative." Weitere Nachrichten: Humanitäre Korridore, Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Kriegsverbrechen, Weltfrauentag. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried Produktion: Justin Patchett Zusätzliches Audiomaterial über das Büro des ukrainischen Präsidenten, Deutschlandfunk.
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Folge vom 07.03.2022Ukrainische Geflüchtete: Wie München hilftImmer mehr Menschen aus der Ukraine kommen auch nach Deutschland. Wie in München geholfen wird, erklärt Gerhard Mayer, Leiter des Amtes für Wohnen und Migration. Das UN-Flüchtlingshilfswerk erwartet die größte Fluchtbewegung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine sind bislang weit mehr als 1,7 Millionen Menschen geflüchtet, die meisten nach Polen. Aber auch in deutschen Kommunen kommen die ersten Geflüchteten an. Allein Berlin empfängt gerade mehr als 10.000 pro Tag. Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) bittet bereits den Bund um Hilfe. Bislang nur ein paar Hunderte sind auch am Hauptbahnhof in München angekommen. Dort werden sie von der Caritas betreut. "Was uns derzeit sehr hilft, ist die große Hilfsbereitschaft der Münchner Bevölkerung", sagt Gerhard Mayer, Leiter des Münchner Amtes für Wohnen und Migration. Mütter mit Kindern oder Familienverbände würden auf drei- bis vierhundert Unterkünfte verteilt. Und noch immer habe man um die 3000 Angebote. Damit komme München "sicherlich erst mal über den ersten Ansturm hinweg". Aber natürlich sei "so eine Unterkunft nicht für ewig". Hier werde die Stadt "natürlich Kapazitäten umfassend schaffen müssen". Auch ein Gymnasium solle zeitweise als Notunterkunft dienen. Mayer erwartet, dass ein Teil der Geflüchteten bleiben werde. "Wenn Sie jetzt die Bilder von Mariupol gesehen haben, das faktisch ja fast nicht mehr existiert. Da kann man nicht einfach so zurückkehren." Aber derzeit gebe es eben auch noch "eine ganz große Solidarität der Münchnerinnen und Münchner". Wenn Sie in München leben und konkret und aktiv helfen möchten, dann finden Sie diverse seriöse Anlaufstellen wie “Willkommen in München” oder “Münchner Freiwillige” auch hier. Wenn Sie lieber Geld spenden möchte, können Sie das beispielsweise beim Bündnis "Aktion Deutschland Hilft" tun. Weitere Nachrichten: Direkte Gespräche zwischen ukrainischen und russischen Außenminister geplant, Einbruch bei Dax und Welthandel. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Pegah Julia Meggendorfer, Franziska von Malsen Produktion: Jakob Arnu