
NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 04.08.2022Zum Tode Minna Cauers„Wir enden tragisch und leiden ein Martyrium, wenn wir die Zukunft zu früh in die Gegenwart hineintragen wollen.“ So wird Minna Cauer zitiert, die Vorkämpferin der Frauenrechte in Deutschland, die im Alter von achtzig Jahren am 3. August 1922 in Berlin verstarb. Zu ihren Lebensprojekten gehörte das Frauenwahlrecht, die Unterstützung lediger Mütter, die freie Berufswahl der Frauen und das journalistische Organ „Die Frauenbewegung“, um publizistisch für diese Themen zu werben. Eigentlich im Bürgertum verwurzelt, gab sie in ihren letzten Lebensjahren die Hoffnung auf die bürgerlichen Parteien auf, denen der Mut zum Fortschritt fehlte und näherte sich der Sozialdemokratie an. Zahlreiche Zeitungen widmeten ihr Nachrufe. Frank Riede liest für uns den entsprechenden Text aus der Berliner Morgenpost vom 4. August.
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Folge vom 03.08.2022Italien am Rande des BürgerkriegsNicht nur in Deutschland stand die junge Republik im Sommer 1922 unter schwerem Druck. Noch dramatischer stellte sich die Situation damals in Italien dar. Dass die parlamentarische Demokratie dort vor dem Zusammenbruch stand; dass sich die beiden großen Blöcke, Sozialisten und Faschisten, unversöhnlich auf eine bürgerkriegsähnliche Konfrontation zubewegten; dass die Faschisten, im Unterschied zu den Sozialisten, in großer Zahl bewaffnet waren und dass mit deren Machtübernahme entsprechend kurzfristig gerechnet werden musste, war Anfang August offenbar bereits weithin absehbar. Das Neuköllner Tageblatt im fernen Berlin sah die Entwicklung bis hin zum sogenannten ‘Marsch auf Rom‘ jedenfalls schon am 3.8. ziemlich präzise voraus. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 02.08.2022Ödipus in NimesSüdfrankreich ist reich an alten römischen Theatern und Arenen. Was läge also näher, als sie des Sommers in lauen Nächten künstlerisch zu bespielen? Nichts, lautete die Antwort auch schon vor einhundert Jahren, und so machte sich damals sogar das Ensemble der altehrwürdigen Comédie Française auf und tourte durch den Midi. Mit dabei war zeitweise offensichtlich auch ein Journalist der Londoner Times, dessen Bericht über den Ödipus des Sophokles in Nimes wiederum der Berliner Börsen-Zeitung vom 2. August 1922 eine kurze Nachricht wert ist. Für uns liest diese: Frank Riede.
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Folge vom 01.08.2022Das Flutkraftwerk HusumDie Bemühungen, die in der Verschiebung von Wassermassen durch Ebbe und Flut enthaltene Energie zu nutzen, reicht weit in die Geschichte zurück. Bereits im 17. Jahrhundert wurden am Ärmelkanal von den Gezeiten angetriebene Mühlen erbaut. Die Umwandlung des Tidenhubs in elektrische Energie ist, so steht es in den einschlägigen Artikeln, seit der Eröffnung des Kraftwerks in St. Malo, Frankreich im Jahre 1966 Realität. Übersehen wird dabei die Pioniertat des Ingenieurs Emil Pein, der bei Husum bereits 1912 ein Probe- und Beweisflutkraftwerk aufgebaut hatte, mit dem er die Vertreter der Politik überzeugen wollte, dass es sich lohnen würde, ein solches Werk in größerem Maßstab zu bauen. Der Erste Weltkrieg beendete diese Bemühungen. Doch das Thema wurde nach dem Krieg wieder aufgenommen, wie der heutige Artikel aus dem Berliner Börsen-Courier belegt, den Paula Leu für uns liest.