
NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
-
Folge vom 31.07.2022Triumphator HitlerWer, wie wir in diesem Podcast, eine Zeitreise in und durch die 1920er Jahre antritt, weiß, dass irgendwann unvermeidlich der Tag kommt, an dem ein gewisser Adolf Hitler aus Braunau am Inn auch unsere Bühne betreten wird. Dieser Tag ist – heute. Zum ersten Mal seit Beginn unserer Recherchen ist uns in der Vossischen Zeitung vom 31. Juli 1922 ein Artikel ins Netz gegangen, der den Namen Hitler nennt, und das auch gleich in der Überschrift. Hintergrund sind wieder einmal die speziellen politischen Umstände in Bayern, die in diesem Fall eine Abschiebung des in München längst berüchtigten Agitators Hitlers als „lästiger Ausländer“ verhindert haben und jetzt im Sommer 1922 dazu führten, dass eine mehrmonatige Haftstrafe Hitlers bereits nach wenigen Wochen zur Bewährung aufgehoben wurde. Die Vossische beklagt diesen frühen Triumph Hitlers in einer kurzen, aber unmissverständlichen Notiz. Es liest Frank Riede.
-
Folge vom 30.07.2022Der ULAP - ein Vergnügungspark mitten in der StadtDen Lunapark am Halensee kennt auch heute noch, wer sich nur ein bisschen für berlinische Geschichte interessiert. Was aber bitte war der ULAP? Der Universum Landes-Ausstellungs-Park, so der vollständig ausbuchstabierte Name, war in der Tat auch ein Vergnügungspark, der am 1. Juli 1922 an durchaus innerstädtisch-lukrativem Standort in und um das Areal des heutigen Hauptbahnhofs herum entstand. Wo sich zuvor Gewerbeanlagen und ein Messegelände befanden – und die Nazis später ein Foltergefängnis errichten sollten –, kreisten für wenige Jahre Karussells, Teufelsrad und Alpensturzbahn nebst sonstigem Jahrmarktstamtam und offensichtlich viel Alt-Berliner Kulisse, bevor die Betreibergesellschaft bereits 1925 wieder insolvent ging. Die Freiheit hat es sich nehmen lassen, kurz nach der Eröffnung einmal vorbeizuschauen und ihre sanfte Skepsis in der Ausgabe vom 30. Juli zu Protokoll zu geben. Für uns hat Paula Leu auf dem Rummel ihre Runde gedreht.
-
Folge vom 29.07.2022Wanderausflug nach TeltowBesonders die Arbeiterzeitungen boten ihrer Leserschafft, bei der man davon ausgehen konnte, dass sie sich keine kostspieligen Reisen quer durch Deutschland, geschweige denn ins Ausland, leisten konnte, immer wieder Ausflugstipps und Wanderrouten-Empfehlungen rund um Berlin. Am 27. Juli 1922 empfiehlt der Vorwärts eine Wanderung nach, durch und um Teltow. Angesichts der verregneten Ostseesaison des Jahres waren die wanderfreudigen Leser:innen vielleicht mit Teltow sogar bestens bedient. Frank Riede steigt auch in Zehlendorf aus und wandert mit.
-
Folge vom 28.07.2022Verregnete OsteesaisonIn den Zeiten des 9-Euro Tickets und des heißen Sommerwetters würde eine Zeile, wie wir sie im Berliner Tageblatt vom 27. Juli 1922 finden, verblüffen: “Die Züge, die nach der Ostsee fahren, sind dünn besetzt.” Das anhaltend schlechte Wetter bremste 1922 offensichtlich den Touismus erheblich. Lediglich im vom Meereszugang abgeschnittenen Böhmen war der Leidensdruck so groß, dass seine Bewohner:innen trotz des Dauerregens an die Osteseebäder strömten. Paula Leu liest.