Am 3. Oktober 1990 wurden die Deutsche Demokratische Republik und die Bundesrepublik nach 40 Jahren Trennung zu einem Staat vereinigt. Von nun an gab es nur noch eine Bundesrepublik und die DDR war Geschichte, so schien es jedenfalls. Man hätte nüchtern davon ausgehen können, dass sich nur noch Historiker für das kleine Land interessieren und alle anderen froh sein würden, die Diktatur des Proletariats hinter sich zu lassen.Aber auch 36 Jahre nach der Wiedervereinigung ist das deutsch-deutsche Thema noch nicht zu Ende erzählt. Und vermutlich ein gewisser zeitlicher Abstand hilfreich, um bestimmte Ereignisse einzuordnen und zu erklären. Der Literaturwissenschaftler Carsten Gansel hat seinen Anteil dazu bereits beigetragen, indem er uns zum Beispiel das Leben der Schriftstellerin Brigitte Reimann nähergebracht oder sich der literarischen Erinnerungskultur gewidmet hat.Nun hat Carsten Gansel ein Buch geschrieben, das in dieselbe Richtung weist und dessen Titel aus einer Frage besteht: "Ausradiert? Wie die Literatur der DDR verschwand“. Bettina Baltschev ist im Gespräch mit dem Autor.
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Woche für Woche nimmt sich der DISKURS Zeit, über Fragen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zu nachzudenken. Mit Experten ihres jeweiligen Fachs spricht MDR KULTUR über die aktuellen Tendenzen in Geschichte und Gesellschaft, Philosophie und Religion, Kulturgeschichte, Naturwissenschaften und Lebenshilfe. Und steht damit für die kritische Reflexion der Gegenwart sowie geistige Konzentration und Orientierungen über den Augenblick hinaus.
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Folge vom 25.04.2026Diskurs: Ausradiert? Carsten Gansel im Gespräch mit Bettina Baltschev
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Folge vom 18.04.2026Digitale Souveränität – Wie unabhängig können wir sein?An jedem ersten Sonntag im Monat ist "Digital Independence Day". Der Chaos Computer Club hat ihn zu Jahresbeginn ins Leben gerufen, unterstützt von weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen. Ihr gemeinsames Ziel: "Wir holen uns unser freies digitales Leben zurück, stoppen die digitale Erosion der Demokratie und wechseln zu demokratiefreundlichen Technologien. Schritt für Schritt sichern wir unsere digitale Unabhängigkeit."So wird Souveränität zur zentralen Herausforderung – nicht nur in Energiefragen oder der europäischen Verteidigungsfähigkeit. Doch was bedeutet digitale Souveränität konkret? Wie realistisch ist es, sich von vorherrschenden Plattformen, Diensten und Technologien zu emanzipieren in einer global vernetzten Welt? Darüber spricht Claudia Bleibaum mit Thorsten Thiel, Professor für Demokratieförderung und Digitalpolitik an der Universität Erfurt. Das Gespräch ist bis 18. April 2027 verfügbar.
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Folge vom 11.04.2026Ines Geipel: Buchenwald und der Riss der ErinnerungAuch 80 Jahre nach der Befreiung von Buchenwald ist die Erinnerung an den Holocaust nicht in der demokratischen Mitte angekommen. Die Angriffe auf das, was im Land Gedächtniskultur heißt, kommen nicht mehr nur von rechts. Warum? Was ist da los? Ines Geipel taucht in ihrem neuen Buch "Landschaft ohne Zeugen" noch einmal in die Vergangenheit ein, sucht nach den Quellen der Lagerwelt und befragt die Legenden nach 1945: von der vorbildlichen Aufarbeitung im Westen bis zum antifaschistischen Staatsmythos der DDR. Ein bestürzendes, hochaktuelles Buch über die alte und neue Unfähigkeit zu trauern und die Erinnerungskälte nach zwei Diktaturen.Für ihr Buch "Landschaft ohne Zeugen" wurde Ines Geipel für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 in der Kategorie Sachbuch/Essayistik nominiert. Bettina Baltschev hat mit Ines Geipel gesprochen. Das Gespräch ist bis zum 11. April 2027 verfügbar.
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Folge vom 04.04.2026Was war die Romantik und wo wirkt sie bis heute fort?Bei dem Wort "romantisch" denken wir an Begebenheiten und Orte, die für uns mit einem besonders innigen Gefühl verbunden sind. Wir alle möchten möglichst viele romantische Momente erleben und inszenieren wichtige Ereignisse, Hochzeiten oder runde Geburtstage entsprechend "stimmungsvoll". Was hat diese allgemeine Bedeutung von Romantik mit der Epoche der Romantik zu tun?"Es ist die Bedeutung der Einbildungskraft. Romantisch nennen wir Situationen, in denen uns die Einbildungskraft über die Wirklichkeit heraushebt". Und genau dies, sagt der Jenaer Literaturwissenschaftler Stefan Matuschek, sei die grundlegende Erkenntnis der Romantiker gewesen: "Menschen sind Wesen, die vermittels ihrer Einbildungskraft leben und sich die Welt erklären, aber auch ihr Leben vermittels ihrer Einbildungskraft führen."Damit sei auch der Weg frei gewesen für ganz neue Literatur-Formen, die in den Jahrzehnten nach der französischen Revolution ausprobiert wurden: Grusel- und Horrorgeschichten, Fantasie- und Science-Fiction-Romane. Hollywood hätte demnach allen Grund, sich bei den Romantikern zu bedanken. Über die Bedeutung der Romantik und ihr Fortleben hat MDR KULTUR-Redakteur Stefan Nölke mit Stefan Matuschek gesprochen.Produktion: MDR 2022Das Gespräch ist bis zum 4. April 2027 verfügbar.