Der Verleger Christoph Links hat ein besonderes Interesse für ostdeutsche Verlagsgeschichte. Bereits in seinem Buch "Das Schicksal der DDR-Verlage" ging er den Spuren von 78 Verlagen in den 1990er-Jahren nach, von denen viele die Nachwendezeit nicht überlebten. Doch bereits in den Jahrzehnten zuvor, vor allem in den 1940er- und 1950er-Jahren, hatte die reiche Verlagslandschaft im Osten Deutschland schwere Verluste zu verzeichnen. Das lag nicht nur, aber auch an der deutschen Teilung.Für sein neues Buch "Verschwundene Verlage. Ein unbekanntes Kapitel ostdeutscher Kulturgeschichte" hat sich Christoph Links tief in die Archive gegraben und die Geschichte von 150 verschwundenen Verlagen aufgeschrieben, von "Abel & Müller" bis "Zentralhaus Publikation". Eine besondere unrühmliche Rolle hierbei kam der Hauptverwaltung Verlagswesen zu, die über Lizenzen für Verlage in der DDR verfügte. Doch es sind vor allem die menschlichen Schicksale, die mit der erzwungenen Schließung ostdeutscher Verlage verbunden waren, die berühren. So starb der angesehene Schriftsteller Willi Bredel an dem Tag, an dem der 1947 von ihm mitgegründete Petermänken-Verlag 1964 in Volkseigentum zwangsübertagen wurde. Christoph Links im Gespräch mit Bettina BaltschevVerfügbar bis 21. März 2027
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Woche für Woche nimmt sich der DISKURS Zeit, über Fragen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zu nachzudenken. Mit Experten ihres jeweiligen Fachs spricht MDR KULTUR über die aktuellen Tendenzen in Geschichte und Gesellschaft, Philosophie und Religion, Kulturgeschichte, Naturwissenschaften und Lebenshilfe. Und steht damit für die kritische Reflexion der Gegenwart sowie geistige Konzentration und Orientierungen über den Augenblick hinaus.
Folgen von MDR KULTUR Diskurs
42 Folgen
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Folge vom 21.03.2026Der Tag, an dem Willi Bredel starb: Christoph Links über verschwundene Verlage in der DDR
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Folge vom 14.03.2026Bertram Weisshaar: Nach der Kohle-Ära – Neue Landschaften?Wie sollen sie aussehen, die Bergbaufolgelandschaften der Zukunft? Diese Frage beschäftigt den Leipziger Landschaftsplaner Bertram Weisshaar, der sich auf Spaziergangsforschung verlegt hat, schon lange. In den 1990er-Jahren veranstaltete er geführte Erkundungen in Tagebau-Restlöchern und hat diese über die Jahrzehnte hinweg im Blick behalten. Ihre Transformation in neue Seenlandschaften, teils flankiert von Bemühungen, die Umgebung künstlerisch zu gestalten ebenso wie damit einhergehende Probleme, auch Unglücke. Er sagt: Seen haben wir genug und schlägt für die verbleibenden Tagebaue neue Landschaften vor: Solche, denen man ihre Geschichte ansehen darf.Das Gespräch führt Annette Militz.Verfügbar bis 14. März 2027
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Folge vom 07.03.2026Von der Puppenstube bis zur Entpuppung: die Schriftstellerin Tanja Raich im GesprächPuppen sind eines der ältesten Spielzeuge der Menschheit. Sie sind nicht so kuschelig wie die Plüschbären oder Hasen, ihre Plastikglieder sind nicht anschmiegsam – aber das ist vielleicht nur der erste Hinweis darauf, dass Puppen etwas von uns wollen, vorzugsweise und traditionellerweise von Mädchen. Gerade die Spielzeugpuppe ist ein ambivalentes Objekt, doch die Geschichte und Dimension der Puppen in unseren Gesellschaften ist weitreichender, als auf den ersten Blick zu erkennen. Über Spielzeugpuppen und Voodoo, Sexpuppen und Dummys hat die in Wien lebende Schriftstellerin und Verlegerin Tanja Raich geschrieben. Sie ist in die unendlich lange Geschichte der Puppe als Ritualgegenstand getaucht, erinnert sich an ihre eigenen Puppen und forscht der Konstruktion und Rekonstruktion der Puppe in der Kunst hinterher. Im Gespräch mit Katrin Schumacher erzählt sie von der komplexen Verbindung von Puppe und Frau und wie sich diese mit den Jahrtausenden verändert hat.Das Gespräch ist online verfügbar bis zum 7. März 2027.
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Folge vom 28.02.2026Raoul Schrott: Dem Zeitgeist entgeg(n)enEr ist ein Wandler zwischen den literarischen Genres: Der Philosoph, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Raoul Schrott. Sein neues Buch ist ein hybrides Kunstwerk zwischen Essay und Gedichten – von der einen Seite ist es als Sachbuch lesbar, von der anderen als Lyriksammlung. In ihm beschäftigt er sich mit der so nebulösen wie flüchtigen aber immens einflussreichen Figur des "Zeitgeistes".Wie wurde er definiert durch die Jahrhunderte, wie bestimmt er uns heute, und was macht ihn zu einer Art "modernem Politiker"? Im Gespräch mit Katrin Schumacher erzählt der österreichische Schriftsteller und poeta doctus vom populistischen Gift des Zeitgeistes, von der Kraft der Poesie, und wie beides im Buch zueinandersteht.Verfügbar bis 28. Februar 2027