Guyana ist die am schnellsten wachsende Wirtschaft der Welt. Riesige Ölfunde haben es sehr schnell sehr reich gemacht – pro Kopf gerechnet, reicher als Deutschland. Der Blick ins Land zeigt allerdings noch ein anderes Bild.
Noch vor zehn Jahren zählte Guyana zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Dann entdeckte ExxonMobil 2015 gewaltige Ölvorkommen vor der Küste. Seither hat sich das kleine Land in Südamerika rasant verändert: Die Wirtschaft wächst in Rekordtempo, die Staatskassen sind prall gefüllt. Und Guyana erlebt eine Generation an Fortschritt in nur wenigen Jahren. Doch wo plötzlich Reichtum ist, wächst auch die Kluft: 40 Prozent der Bevölkerung leben weiterhin in Armut. Viele Guyaner sagen heute: Vor dem Öl war das Leben besser. Was bedeutet es, der vielleicht letzte entstehende Petrostaat der Welt zu sein?
FeatureKultur & Gesellschaft
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Die Sendung «Passage» steht für radiophone Exzellenz auf SRF 2 Kultur. Hier verbinden sich Wort und Musik, Ton und Stille.
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Folge vom 13.02.2026Guyanas Ölrausch – wie der plötzliche Reichtum das Land verändert
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Folge vom 06.02.2026Black Power in Deutschlands Goldenen Zwanzigern – Louis BrodyLouis Brody, geboren 1892 in «Deutsch-Kamerun», war in den Goldenen Zwanzigern der bekannteste Schwarze Filmschauspieler Deutschlands. Seine Nachfahren haben erst vor kurzem erfahren, dass er und seine Familie mit anderen Kolonialmigranten auch gegen Rassismus kämpften. Brody kam um 1900 ins Deutsche Kaiserreich – so wie hunderte weitere Afrikaner aus den Deutschen Kolonien auch. Als Schauspieler arbeitete er mit Filmgrößen wie Fritz Lang, Alfred Hitchcock und Hans Albers, überlebte mit seiner Familie die Nazizeit und trat bis zu seinem Tod 1951 in Ost-Berlin in über 60 Kinofilmen auf. Oft musste er rassistische Figuren verkörpern: Diener, Bösewichte oder den «primitiven Wilden». Brody war aber auch ein Aktivist. Bereits 1918 forderte er z.B. mit einer Petition «gleiche Rechte» für Schwarze Menschen in Deutschland und in den Kolonien.
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Folge vom 30.01.2026Von einem, der auszog: Ein junger Schweizer in der Waffen-SSWährend des Zweiten Weltkriegs dienten rund 2000 Schweizer in der Waffen-SS. Darunter auch mein Onkel, der an seinem 17. Geburtstag im Juni 1943 ausriss und illegal über die deutsche Grenze ging. Was waren die Motive solcher Freiwilliger? Erkundung eines unschönen Kapitels der Schweizer Geschichte. In meinem Elternhaus lag ein schmales Buch mit dem Titel «Zur Waffen-SS gezwungen». Mein verstorbener Onkel Franz Grüter beschreibt darin, wie er als Jugendlicher heimlich ins Deutsche Reich ging, weil es ihm zu Hause zu eng war. Er suchte Arbeit in einem Büro, wurde aber bald ins Ausbildungslager der Waffen-SS geschickt. Er desertierte zwei Mal und verbrachte den Rest des Kriegs im Straflager. Was bewog damals junge Leute zum Gang über die Grenze? Faszination für die NS-Ideologie, Naivität oder Abenteuerlust? Eine Spurensuche entlang von persönlichen Dokumenten und Tönen aus dem SRF-Archiv.
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Folge vom 16.01.2026Macht der Musik – der kraftvollste Jazz war immer Widerstand (W)Kein Wunder, wollte der rassistische Drogenfahnder Harry Anslinger nicht nur Billie Holiday zur Strecke bringen, sondern auch «Strange Fruit» auslöschen. Der Song geht unter die Haut: «Die Bäume im Süden tragen seltsame Früchte ... schwarze Körper bewegen sich sanft in der südlichen Brise». Eindringlich beklagt Billie Holiday in «Strange Fruit» die Lynchjustiz. Als sie mit 44 stirbt, von der Drogenfahndung ans Bett gekettet, lebt «Strange Fruit» weiter. Der Song steht am Anfang einer ganzen Playlist von Stücken, die bis heute für den kraftvollsten Jazz steht: den Jazz des Widerstands. Peter Kemper hat die Geschichte der politischen Ästhetik des Jazz kürzlich aufgearbeitet. Er ist zu Gast in der Passage, und zu Wort kommt u.a. auch Matana Roberts: Mit dem mehrteiligen «Coin-Coin»-Projekt ist die non-binäre Saxophonist:in eine der heutigen Erb:innen von Billie Holiday und deren Kampf für mehr Rechte und Gerechtigkeit. Erstsendung: 26.4.2024