
NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 11.12.2022Urban Gad: Warnung vor dem FilmWährend wir heutzutage junge Frauen eher davor warnen würden, in den Fernseh-Casting-Formaten der Klums und Bohlens den Weg zu einer glücklichen beruflichen Karriere zu erblicken, so warnte 1922 der berühmte dänische Drehbuchautor und Regisseur Urban Gad die jungen Frauen vor den übertriebenen Träumen von einem Durchbruch als Filmsternchen. Gad, der seit 1910 in Deutschland tätig war, hatte den kometenhaften Aufstieg der Asta Nielsen zum weltweiten Star als Regisseur ihrer ersten Filme ermöglicht. Am 11. Dezember machte er aber den Leserinnen und Lesern des Berliner Lokal-Anzeigers unmissverständlich klar, wie selten und unwahrscheinlich eine solche Karriere ist. Dabei wird in dem Text – gewollt oder ungewollt – deutlich, wie sexistisch die Branche war. Aber auch da unterscheidet sie sich wohl kaum von den aktuellen Castingshows der Fernsehsender. Also aufgepasst. Frank Riede warnt uns vor dem Film.
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Folge vom 10.12.2022Das Kino in ChinaDie neue französische „Asterix und Obelix“-Realverfilmung, die im Februar 2023 in die Kinos kommen soll, basiert nicht auf einem der bekannten Comic-Bände. Die beiden Gallier reisen dabei nach China und dem Trailer zufolge wird es so mache Kung-Fu Kampfeinlage geben. Es ist also ein leicht durchschaubarer Versuch der französischen Produktionsfirma, auf den chinesischen Spielfilmmarkt zu gelangen – und es ist nur ein besonders plakatives Beispiel für eine ganze Reihe von solchen Bemühungen, bei denen oftmals die Zensur-Codes der chinesischen Behörden von vornherein beachtet werden. 1922 freilich war der chinesische Kino-Markt noch nicht so mächtig, aber schon präsent genug, dass die Berliner Börsen-Zeitung vom 10. Dezember einen kurzen Bericht über diesen veröffentlichte. Paula Leu gibt für uns den Filmerklärer.
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Folge vom 09.12.2022Rote Fahne und Vorwärts beim GänsebratenIn der aufgeheizten Stimmung der Weimarer Republik mit ihrer stark parteipolitisch geprägten Presselandschaft war es sehr üblich, dass Zeitungen auch übereinander schrieben, einander namentlich attackierten, gegeneinander polemisierten, der Lüge bezichtigten. Gerade auch die Blätter der Arbeiterparteien gingen miteinander selten zimperlich um und fochten ihre Differenzen bevorzugt mit dem rhetorischen Säbel aus. Das Florett der Ironie blieb demgegenüber allen voran bei der Roten Fahne für gewöhnlich in der Scheide stecken. Vielleicht weil Vorweihnachtszeit war, kam es am 9. Dezember 1922 aber doch einmal zum Einsatz und spießte, siehe da, gleichsam auf der Festtafel der Sozialdemokratie ganz unbesinnlich einen knusprigen Gänsebraten auf. Wie er mundet, weiß Frank Riede.
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Folge vom 08.12.2022Weihnachten in SpanienWährend wir vor zwei Tagen der Geschichte der Weihnachtsbaum-Tradition in Deutschland nachgegangen sind, schweift der Blick der Berliner Zeitungslandschaft, genauer der Westberliner Neuen Zeit, nach Spanien zu den dortigen Weihnachtsbräuchen. Die noch heute jedes Jahr für Aufsehen sorgende Mega-Lotterie “El Gordo” gab es, wie wir aus anderen Artikeln wissen, auch schon in den 20ern, diese wird aber im heutigen Bericht einer gewissen Cleopha Maria Freyer nicht erwähnt, um so mehr lernen wir über die große Bedeutung der Krippen und über die größere Geduld spanischer Kinder, freilich aus einer hauptstädtischen Perspektive. Und wir lernen zugleich, dass das Stereotyp vom “faulen Spanier” auch schon vor 100 Jahren ganz selbstverständlich aufgerufen wurde. Señora Leu liest für uns.