
NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 14.11.2022Das Erdbeben von ChileChile liegt im sogenannten Pazifischen Feuerring, einer sich rund um den Pazifischen Ozean erstreckenden Zone hoher seismischer und vulkanischer Aktivität, weshalb das Land immer wieder von schweren Erdbeben heimgesucht wird. Am 11. November 1922 hatte ein solches vor allem die Wüstenregion Atacama getroffen. Schreckensberichte über Zerstörungen und vermeintlich vierstellige Opferzahlen machten bald auch am anderen Ende der Welt die Runde, wo die Berliner Presse sich um verlässliche Informationen und eine seriöse Einschätzung der Lage bemühte. Dabei baute die Vossische Zeitung auf die Expertise des in Berlin ansässigen Reiseschriftstellers Colin Roß, der sich erst unlängst länger in Chile aufgehalten und von dort – auch in diesem Podcast – berichtet hatte. Seinen Hintergrundartikel zu den Umständen der Katastrophe aus der Ausgabe vom 14. November 1922 liest für uns Paula Leu.
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Folge vom 13.11.2022Über Traditionen am MartinstagDer Sankt-Martins-Tag am 11.11. gehört zu den ganz wenigen Daten des Kirchenjahres, die auch heute noch fest in der Alltagskultur verankert sind. Der uns so vertraute Brauch des Laternelaufens ist indes erst im Laufe des 20. Jahrhunderts vom Rheinland ausgehend wirklich populär geworden. Ein im Folgenden von Frank Riede verlesener Bericht aus der Germania vom 13. November 1922 über damalige Feierlichkeiten an Martini nennt Umzüge mit Lampions dann auch nur ganz am Rande. Im Zentrum der Betrachtung steht hier vielmehr die Tradition deutlich größerer, offener Martinsfeuer, die seinerzeit offenbar sehr lebendig war und die hier – durchaus überraschend für eine so katholische Zeitung wie die Germania – in eindeutige Kontinuität zu heidnischen Ritualen gestellt wird.
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Folge vom 12.11.2022Das Vermögensrecht der EhefrauWas waren die Auswege aus einer wirtschaftlichen Abhängig der Frau vom Mann in einer Ehe. Gütertrennung? Das Auszahlen von einer Art Lohn für die „häusliche“ Arbeit durch den Ehemann? In einem Artikel der Neuen Zeit vom 12. November 1922 diskutiert die Juristin Anna Mayer diese Fragen. Wie so oft in unserem Podcast, dokumentieren wir mit dieser Folge Zweierlei: Auf der einen Seite den mühsamen Kampf um die rechtliche Gleichstellung der Frau und um ihre wirtschaftliche Freiheit, auf der anderen Seite aber auch unhinterfragte, als selbstverständlich betrachtete Annahmen über die Stellung der Frau, die uns heute empören dürften, damals aber auch von fortschrittlichen Frauen, wie dieser Autorin, oftmals nicht hinterfragt wurden oder werden konnten. Paula Leu beschäftigt sich für uns mit der Gütertrennung 1922.
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Folge vom 11.11.2022Beim ‘bayerischen Mussolini’ in MünchenDie Machtergreifung Benito Mussolinis in Italien hatte die politische Tektonik Europas schwer erschüttert. Aus deutscher Perspektive verfügte der faschistische Coup dabei nicht nur über eine außenpolitische Dimension, sondern veränderte erkennbar auch die Einschätzung der innenpolitischen Lage. Konzentrierte sich der Blick nach ‘rechts‘ bislang vor allem auf den militärischen Sektor und kaisertreue Kreise, so gerieten nun vermehrt auch freiradikale neurechte Bewegungen in den Fokus, die bisher ein wenig unter dem Radar geflogen waren. Besonderes Interesse der Hauptstadtpresse zog in diesem Zuge ein selbsternannter ‘bayerischer Mussolini‘ namens Adolf Hitler auf sich, der schon seit geraumer Zeit in München mit Hetzreden und prügelnden Schergen auffällig geworden war. Mit der korrekten Schreibweise – mit nur einem ‘t‘ – tut sich das 8-Uhr-Abendblatt in seinem Lagebericht aus der Parteizentrale vom 11. November 1922 noch schwer. Aus welchem ideologischen Holz Hitlers krude ‘Lehre‘ geschnitzt war, macht indes bereits diese frühe Analyse - unter anderem mit vielen schwer erträglichen wörtlichen Zitaten - so unmissverständlich deutlich, dass alle bekannten späteren Beteuerungen, man habe ja nicht gewusst, was Hitler wollte, einmal mehr ultimativ ad absurdum geführt werden. Allein in der Einschätzung, wie ernst man die vom Nationalsozialismus ausgehende Bedrohung zu nehmen habe, sollte der Korrespondent des 8-Uhr-Abendblattes irren. Es liest Frank Riede.