
NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 02.11.2022Gegen den deutschen FaschismusWährend die Berliner Presse über den beinahe reibungslosen Sieg der italienischen Faschisten berichtete, lag als nächster Schritt der Blick auf die Reaktionären Bewegungen und den Faschismus in Deutschland nahe. Würden die monarchistisch-nationalistischen Kräfte mit einem Putsch mehr Erfolgsaussichten haben als beim Kapp-Putsch 1920? Verständlicher Weise schrillten bei den deutschen Kommunisten die Alarmglocken am lautesten, war ja der Widerstand der Arbeiter gegen Mussolini in sich zusammengebrochen. In ihrer Parteizeitung, der Roten Fahne finden wir am 2. November 1922 eine eindrückliche Warnung, dass alle europäischen reaktionären Bewegungen nun Aufwind haben und auch die Weimarer Republik einem Faschistischen Aufstand zum Opfer fallen könnte. Der verarmende Mittelstand, das rechte Militär, das nach rechts blinkende Bürgertum verheißen nichts Gutes – und die Rote Fahne teilt aber auch gegen die Sozialdemokratie aus, die dem Bürgertum zu unrecht vertraut. Paul Leu liest.
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Folge vom 01.11.2022450. Geburtstag von Lukas Cranach d. ÄlterenIn diesem Podcast haben wir in den vergangenen beinahe drei Jahren von dem heftig diskutierten, aber immer wieder für Schlagzeilen sorgenden, Eugen Steinach und dessen Verjüngungstherapien berichtet, der Traumvorstellungen von ewiger Jugend weckte. Das mittelalterliche Pendant dazu war der mythische Jungbrunnen, den man alt betrat und jung verließ. In der Gemäldegalerie Berlin hängt das einzige große Tafelgemälde dieses Sujets. Ein skurriles und ungewöhnliches Gemälde, ein ebenso sexistisches Gemälde. Gemalt hat es Lucas Cranach der Ältere im Jahre 1546. Seine Geburt wird und wurde auf 1472 datiert, weshalb 1922 sein 450 Geburtstag gefeiert wurde. Für die Berliner Börsen-Zeitung vom 1. November blickte der Dichter Hans Benzmann auf die berühmtesten Gemälde, das Leben und die sich einer klaren Einordnung entziehende Malweise des Künstlers. Frank Riede verjüngt für uns diesen Text.
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Folge vom 31.10.2022Mussolini MinisterpräsidentSo wie sich die Machtübernahme der Faschisten in Italien schon Monate zuvor abgezeichnet hatte, der Marsch auf Rom in der Luft hing, so schnell war der gewaltsame Aufstand auch schon vorbei. Der italienische König stellte sich neben die Faschisten, Mussolini zog bejubelt in Rom ein und bildete ein Kabinett, Widerstand von Truppenteilen oder Arbeitern wurde brutal niedergemetzelt. Der Bericht aus der Berliner Morgenpost vom 31. Oktober 1922, also drei Tage nach dem „Marsch“ schildert nicht nur den Sieg der Faschisten, sondern macht auch klar, wie sehr es zur Strategie Mussolinis gehörte, die freie Presse auszuschalten und auf dem Gebiet der Informationen die Hoheit zu gewinnen. Für uns liest Paula Leu.
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Folge vom 30.10.2022Die RutenbündlerEine brutal kämpferisch, militaristisch und kompromisslos auftretende Bewegung, wie die italienischen Faschisten, war an die Macht gekommen. Wofür stand sie eigentlich genau? Nun an der Spitze der Institutionen angekommen, würde sie ja reale Politik machen müssen. Wie würde sich die Bewegung dadurch transformieren? Auf diese Fragen versuchte der Berliner Börsen-Courier eine Antwort zu geben. In manchen Punkten sicherlich voll genauer Beobachtungen, fällt die Analyse dennoch definitiv zu optimistisch aus. Es liest Frank Riede.