
NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 06.11.2022Sling als LustspielautorPaul Schlesinger alias Sling ist regemäßigen Hörerinnen und Hörern unseres Podcast mit Sicherheit ein Begriff, denn als umtriebiger Feuilletonist und Gerichtsreporter zählt er zu den fleißigsten Beiträgern von Auf den Tag genau. Nicht mehr ganz so bekannt ist heute, dass er mit dieser Tätigkeit keineswegs ausgelastet war, sondern sich nebenbei auch noch etwa als Kinderbuch- und Lustspielautor betätigte, als der er zu Lebzeiten ebenfalls durchaus erfolgreich reüssierte. Als im Herbst 1922 sein Opus „Die Erwachsenen“ im Komödienhaus am Schiffbauerdamm, unweit des heutigen Berliner Ensemble, zur Uraufführung kam, waren nicht nur Kollegen Slings von der Vossischen Zeitung, sondern Vertreter nahezu aller Berliner Presseorgane anwesend. Wir haben uns für die Rezension von Paul Wiegeler aus der B.Z. am Mittag vom 6. November entschieden und Frank Riede die Lektüre anvertraut.
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Folge vom 05.11.2022Die Erde auf der WiegeschaleDie Wissenschaft soll ihre Erkenntnisse erklären und sich erklären, wofür ihre Forschung einem Jeden praktisch nutzt. Mit dem ersten Teil dieser auch heute erhobenen Forderung war der 1875 in Berlin geborene Schriftsteller und Wissenschaftspublizist Bruno Bürgel mehr als einverstanden und entwickelte sich zu einem begnadeten Wissenschafts-Kommunikator, der astronomische Kenntnisse nicht nur in Publikationen und Vorträgen, sondern auch über den entstehenden Rundfunk verbreitete – eine Art Harald Lesch der 1920er. Am 5. November 1922 schrieb er für die Berliner Morgenpost über die wissenschaftliche Beantwortung der Frage nach dem Gewicht des Erdballes und damit auch ein Plädoyer für die Grundlagenforschung, die nicht primär nach dem praktischen Nutzen fragt. Für uns wiegt die Erde Paula Leu.
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Folge vom 04.11.2022Ausflug in die Welt mit Gabriele TergitGabriele Tergit gehört mittlerweile fraglos – wieder – zu den prominentesten Autor*innen der Weimarer Republik. 1933 vor den Nazis geflüchtet und, wie so viele andere auch, nach 1945 weitgehend in Vergessenheit geraten bzw. geblieben, kehren ihre Bücher seit geraumer Zeit mit erstaunlicher Auflage auf den Buchmarkt und in die Literaturhäuser und Feuilletonspalten zurück. Dabei hinterließ die Tergit nicht nur große Romane, sondern war ursprünglich vor allem eine Meisterin kleiner Formen, die sie in der Regel für die Veröffentlichung in Zeitungen produzierte. So auch ihren „Ausflug in die Welt für 2 Mark“ aus dem Berliner Tageblatt vom 4. November 1922, der zwar so manches ethnische Klischee streift, aber doch auf sehr feinnervige Weise vom kosmopoliten Leben in bzw. zwischen den Metropolen der 1920er Jahre berichtet. Für uns an ihre Fersen geheftet hat sich Paula Leu.
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Folge vom 03.11.2022Im Linien-Flugzeug über den GroßglocknerWerbewirksam lud der Junkers Flugdienst zu einem Flug über die Alpen in einer Passagiermaschine. Man war sich sicher: die Zukunft des Personenverkehrs sind Fluglinien. Rolf Brandt war für die Berliner Morgenpost an Bord und berichtet begeistert von dem Flug, bei dem der Kapitän sich durch die Wolken hindurch an markanten Landschaftsformationen, Seen, Bergen orientieren musste. Die Etablierung von Fluglinien wurde für die Weimarer Republik dadurch erschwert, dass die Auflagen der Alliierten den Bau von Flugzeugen zunächst untersagten, insofern sind Mutmaßungen über die hier eingesetzte Maschine, wie sie unser Unterstützer Ralf angestellt hat, ganz spannend. Die Junkers-Werke hatten zahlreiche Flugzeuge des Typs F13, das der Beschreibung in diesem Artikel entspricht, dennoch gebaut und in Hallen auf den Land und im Ausland versteckt. Unter anderem bei der Danziger Luftpost – die die Flugzeuge speziell gelb-schwarz anstrichen. Es könnte sich also um eine nach Aufhebung des Verbots aus Danzig zurückgeholte F13 handeln. Aber genug der Spekulationen. Genießen wir den Flug im Gebirge. Für uns war Frank Riede an Bord.