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Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 29.10.2022Eine Siedlung für die KriegsversehrtenDas kleine Örtchen Golzow im Oderbruch verdankt seine heutige Bekanntheit der vielbeachteten DEFA-Langzeitdokumentation Die Kinder von Golzow, die in insgesamt zwanzig zwischen 1961 und 2007 entstandenen Filmen das Leben etlicher Menschen dieses Dorfes über den Zeitraum von fast einem halben Jahrhundert dokumentierte und mit diesem rekordverdächtigen Projekt Filmgeschichte schrieb. Was für ein bemerkenswerter Zufall, dass es die Berliner Morgenpost am 29. Oktober 1922 auch schon just in diesen Flecken an der Alten Oder verschlug und sie dort – möglicherweise – den Großeltern oder Urgroßeltern einiger ‘Kinder von Golzow‘ begegnen ließ. Anlass für ihren Ausflug ins ganz flache brandenburgische Land war eine soziale Großtat: Ein örtlicher Großgrundbesitzer, der selbst lange Monate des Ersten Weltkriegs im Lazarett gelegen hatte, stellte einen großen Teil seiner Ländereien schwer kriegsversehrten Heimkehrern und ihren Familien zur Verfügung, auf dass sie sich dort eine neue Existenz aufbauen konnten. Für uns hat sich Paula Leu dort umgesehen.
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Folge vom 28.10.2022Tschitscherin in PisaDer 28. Oktober 1922 ging ein in die Geschichte als Tag des sogenannten ‘Marsches auf Rom‘, mit dem Benito Mussolini seine über zwei Jahrzehnte währende unheilvolle Herrschaft über Italien begründete. Die Berliner Morgenzeitungen wussten von diesen Vorgängen damals naturgemäß noch nichts, und auch die Abendausgaben vermeldeten allenfalls ein paar vage Gerüchte. Das Berliner Tageblatt bewies dennoch insofern einen guten Riecher, als es in Person eines seiner – und unserer – Lieblingskolumnisten Arnold Höllriegel eine so skurrile wie erschreckende Szene aus der italienischen Provinz kolportiert, die die fortschreitende Machtergreifung der Faschisten im Lande eindrücklich dokumentiert. Die geschilderte Begebenheit soll sich bereits im Frühjahr 1922 im Nachklang der politisch hochkarätig besetzten Wirtschaftskonferenz von Genua abgespielt haben, und was an ihr Dichtung, was Faktum ist, spielt eigentlich keine Rolle. Als unser Agent in Pisa mit von der Partie war Frank Riede.
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Folge vom 27.10.2022Wembley, das neue Fußballstadion in LondonAller guten Dinge sind bekanntlich drei: Nachdem wir im März auf Skiern am Holmenkollen vorbeigeschneit und unlängst auf der Rennstrecke von Monza schwer motorisiert Probe gefahren sind, führt uns die B.Z. am Mittag heute in die Frühgeschichte einer weiteren ikonischen Stätte des Weltsports: zum Wembley-Stadion nach London respektive zu der Baustelle, die es vor einhundert Jahren noch darstellte. Von Geoffrey Hurst und Tofiq Bəhramov, Günter Netzer und Oliver Bierhoff, Gareth Southgate und Bukayo Saka, Alexandra Popp und Chloe Kelly konnte der ungenannte Autor am 27. Oktober 1922 natürlich noch nichts wissen und berichten. Und doch erfüllt seinen Artikel über die „neue Anlage für die Pokal-Endspiele“ bereits irgendwie die Ahnung, dass hier ein hochmythischer Ort der Fußballgeschichte im Begriff zu entstehen war. Besichtigt hat ihn für uns die Sportredakteurin von Auf den Tag genau Paula Leu.
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Folge vom 26.10.2022Leo Heller: Tanz im FilmDas österreichische Multitalent Leo Heller, heute vor allem bekannt für seine Reportagen aus dem kriminellen Milieu Berlins, schrieb, wie es sich für einen Feuilletonisten gehört, über alle möglichen Themen, so auch über das Kino. Am 26. Oktober 1922 finden wir im 8-Uhr-Abendblatt eine Reflexion von ihm über den Tanz im Film. Wie so oft in dieser Phase des Stummfilms, ist sein gedanklicher Ausgangspunkt die Abwesenheit des Tons, die andere Ausdruckformen einfordert. Die Bewegung des Körpers wäre solch ein narratives Element. Daher überrascht es Heller wenig, dass der Tanz eine prominente Rolle im Film spielt. Die Konsequenzen dieser Überlegung und eine Liste von Tänzer:innen, die von den Tanzbühnen zum Kintopp abgeworben wurden, präsentiert uns Frank Riede.