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Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 13.04.2022Amerika, wie es ißt und trinktMit Hans Goslar kommt bei Auf den Tag genau heute eine weitere Stimme des journalistischen Weimars zu Wort, die nach 1933 gewaltsam unterdrückt wurde und anschließend dem Nazi-Regime zum Opfer fiel. Im Falle des 1889 geborenen Goslar führte der Leidensweg über die Emigration nach Amsterdam, wo seine Familie 1943 verhaftet und ins Konzentrationslager Bergen-Belsen verschleppt wurde. Dort starb Hans Goslar im Februar 1945. 1922 war er, der Nationalökonomie studiert hatte, Leiter der Pressestelle des preußischen Staatsministeriums. Seine auf einer Studienreise in die USA gewonnenen Eindrücke fasste er im Buch mit dem Titel „Amerika 1922“ zusammen. Für die Vossische Zeitung vom 13. April beschrieb er die Ernährungsgewohnheiten der Amerikaner, und damit Schnellrestaurant-Ketten, viele frische Früchte, Milch, offiziell keinen Alkohol, aber vor allem: unglaublich viel Zucker. Für uns tingelt Frank Riede vom Grapefruit- zum Candy-store.
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Folge vom 12.04.2022Sorgen der SchweizNeutral, ergo nicht am Ersten Weltkrieg beteiligt, Bankgeheimnis intakt, ergo massive Geldflüsse in den sicheren Bank-Hafen während des Weltkrieges. Man könnte meinen, dass die Schweiz 1922 wirtschaftlich gut dastand. Jedoch plagten die auf Export ausgerichtete Agrarwirtschaft und Industrie die Krisen und die sinkende Kaufkraft der Nachbarstaaten. Davon berichtet der Vorwärts vom 12. April, sowie, damit verknüpft, von den Hoffnungen der Schweiz auf einen die europäische Wirtschaft stabilisierenden Verlauf der Konferenz in Genua. Paula Leu schaut für uns hinüber zu den Sorgen der Schweiz.
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Folge vom 11.04.2022Genua - der erste TagBereits seit Tagen überboten sich die Berliner Tageszeitungen in Vorberichten – am 10. April 1922 ging die mit großen Erwartungen befrachtete Wirtschaftskonferenz von Genua endlich los, und weckte in Deutschland ein weiteres Mal Hoffnungen auf eine Neuverhandlung der als ungerecht und unbezahlbar aufgefassten Reparationsauflagen. Allzu viel war bei der feierlichen Eröffnung der Veranstaltung naturgemäß noch nicht passiert, aber das vorherrschende Narrativ der hiesigen Berichterstattung ist bereits im Auftaktartikel der Berliner Volks-Zeitung vom 11. April zu besichtigen: Die deutschen Sympathien galten eindeutig der auf das internationale Parkett zurückgekehrten russischen bzw. nunmehr sowjetischen Delegation, die Rolle des Bösewichts spielten aus Berliner Perspektive weiterhin die Franzosen unter ihrem Hardliner in Reparationsfragen, Ministerpräsidenten Raymond Poincaré. Alle weiteren Details kennt Frank Riede.
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Folge vom 10.04.2022Mit dem Berliner Hockey-Club in SpanienDer Berliner Hockey-Club gilt bis heute als erste hauptstädtische Adresse in seinem Sport, und er tat das auch schon vor einhundert Jahren. 1905 gegründet, war der Name des BHC siebzehn Jahre später offensichtlich bereits so klingend, dass seine erste Herren-Mannschaft zu einer ausgedehnten Spanienreise nach Barcelona eingeladen wurde, um sich dort mit den führenden einheimischen Mannschaften zu messen. Gleich mehrere Berliner Zeitungen berichteten von dieser exotisch anmutenden Tour. In der B.Z. am Mittag vom 10. April tat dies ein gewisser Dr. P., von dem wir nicht nur dankenswerterweise einiges über das Drumherum erfahren, sondern aus dessen Spielbericht auch hervorgeht, dass – natürlich, ist man fast geneigt zu sagen – auch damals schon ein Mitglied der legendären Berliner Hockeyfamilie Keller mit von der Partie war. Es handelt sich dabei um den Vater des Olympiasiegers von 1972 Carsten, den Großvater der Olympiasieger Andreas (1992), Natascha (2004) und Florian (2008): Erwin Keller war 1922 zwar erst zarte siebzehn Jahre alt, aber offensichtlich bereits ein Leistungsträger seiner Mannschaft – vierzehn Jahre bevor er mit seiner Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin die Dynastie der Kellers recht eigentlich begründete. Es liest Paul Leu.