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Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 01.04.2022Schiffe, die nachts miteinander sprechenDas Wort „wireless“, erfahren wir in unserem heutigen Artikel aus dem 8-Uhr-Abendblatt vom 1. April 1922, ist nicht erst ein Modeanglizismus des 21. Jahrhunderts, sondern elektrisierte auch schon Technikfreaks vor einhundert Jahren. Seinerzeit war man natürlich noch nicht kabellos mit dem Internet verbunden, aber ein Netz war es doch auch, welches die Funktelegrafie über die Welt legte und die Menschen über große Entfernung miteinander global in Kontakt treten ließ. Das galt interessanterweise selbst auf dem Wasser, wo bisweilen wohl die Verbindung zum Festland abreißen konnte, jedoch fast immer die Kommunikation mit anderen Schiffen intakt blieb. Den Erfahrungsbericht eines dänischen Journalisten an Bord der „Peru“ auf ihrem Weg von der englischen Kanalküste nach dem Indischen Ozean teilt für uns, als mitreisender Klabautermann von Auf den Tag genau, Frank Riede.
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Folge vom 31.03.2022Paris, Bataclan etceteraDas Pariser Vergnügungsetablissement mit Konzertsaal Bataclan, das in orientalisierender Architektur 1865 errichtet und nach einer Operette von Jaques Offenbach benannt wurde, ist heute ein Ort, der an die Attacken durch den islamistischen Terrorismus in Frankreich erinnern lässt, richtete hier ja während eines Konzerts am 13. November 2015 eine dreiköpfige Dschihadistengruppe ein Blutbad an, bei dem 89 Konzertbesucher starben. Man könnte sagen: Das Ziel war sorgfältig gewählt. Traditionell hatte das Bataclan den Ruf, besonders für das lebensfrohe, libertinäre Partyvolk ein Magnet zu sein. Vor einhundert Jahren zeugt davon der Artikel von Mara Herberg vom 31. März 1922 aus der BZ am Mittag, in dem die Autorin das Leben, die Mode, den wiederkehrenden Luxus von Paris schildert – und eben auch die abendliche Vergnügungssucht. Doch sie ist nicht nur fasziniert von den Parisern und Pariserinnen. Der etwas spöttische Blick läuft auf eine klare Anklage hinaus, auf wessen Rücken die rauschenden Feste im Bataclan eigentlich gefeiert werden. Den Text, in dem Herberg zur Beschreibung des Publikums auf den Straßen von Paris heute zurecht nicht mehr salonfähiges rassistisches Vokabular benutzt, liest für uns Paula Leu.
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Folge vom 30.03.2022Tristan da Cunha - die einsamste Insel der WeltEinsame Inseln üben von jeher eine hohe Faszination auf die Phantasie von uns Menschen aus, und die vielleicht einsamste Insel auf dem Erdball überhaupt ist das Eiland Tristan da Cunha, britisches Überseegebiet, heute, 2022, von knapp 250 Einwohnern bevölkert, 3200 Kilometer von der brasilianischen Küste, 2800 Kilometer vom Kap der guten Hoffnung entfernt im Südatlantik ge- bzw. entlegen. Insbesondere Literaten hat es immer wieder hierher gezogen. Von Edgar Allen Poe über Jules Verne bis Primo Levi, Arno Schmidt und Raoul Schrott ist der Dampfer der Weltliteratur auf Tristan da Cunha bald häufiger vor Anker gegangen als die ordinäre Versorgungsschifffahrt. Davon weiß auch die Berliner Volks-Zeitung ein Lied zu singen, die hier am 30. März 1922 angelandet ist. Mit einem dicken Postsack sowie einem englischen Pastor an Bord – und mit Frank Riede.
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Folge vom 29.03.2022Nabokow sen. stirbt bei Attentat in der PhilharmonieDass im Berlin 1922 eine große Zahl von Russ:innen lebte, dürfte bekannt sein. Ausgelöst durch die russische Revolution waren etwa erst die Anhänger des Zarentums, später das republikanische, liberale Bürgertum zur Flucht gezwungen und so entstanden in Berlin verschiedene russische Communities. Von der politischen Ausrichtung zu letzterer gehörte Wladimir Dmitrijewitsch Nabokow, der an der republikanischen Regierung nach dem Sturz des Zaren beteiligt war, welcher die Oktoberrevolution ein Ende setzte. Ihm und seiner Familie gelang die Flucht über die Krim und schließlich nach Berlin. Sein Sohn Vladimir, der später als Literat zu Weltruhm gelangen sollte, studierte zu der Zeit in Cambridge und publizierte erste Abhandlungen über Schmetterlinge. Nabokow, der Ältere, hatte einen Vortrag des ehemaligen Außenministers Pawel Miljukow, in der Philharmonie mitorganisiert. Zwei rechtsradikale Monarchisten sahen das als Gelegenheit, sich für den Sturz des Zaren zu rächen und schossen auf Miljukow. Nabokow eilte ihm zur Hilfe und wurde tödlich getroffen. Ein weiterer politischer Mord im Deutschland der 20er Jahre. Die Berliner Börsen-Zeitung vom 29. März 1922 berichtet. Für uns schildert Paula Leu den Hergang der Ereignisse.