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Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 16.05.2022Glückwunsch an die FunktelegraphieSicherlich gibt es heute unzählige Meinungen dazu, was als Geburtsstunde der drahtlosen Telegraphie anzusehen ist. War es die Ausformulierung der ersten Idee Ende des 18. Jahrhunderts? War es das Patent James Lindsays 1854? Waren es die Experimente von Karl Strecke 1895? Für das Berliner Tageblatt vom 16. Mai 1922 gratulierte der Autor Arthur Fürst der Funktelegraphie zum 25jährigen Jubiläum. Für den Verfasser des Sachbuches „Im Bannkreis von Nauen. Die Eroberung der Erde durch drahtlose Telegraphie“ waren die Geburtsstunde also die ersten Übertragungsversuche von Guglielmo Marconi an der englischen Küste, als er im Mai 1897 die Insel Flat Holm über den Bristolkanal mit dem Festland „verband“. Paula Leu gratuliert also heute zum 125sten.
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Folge vom 15.05.2022Der Weg zum WeltparlamentAm 19. Mai 1922 endete die Konferenz von Genua, der auch bei Auf den Tag genau einige Folgen gewidmet waren. Bei der Bewertung der Ergebnisse von Genua, bzw. gerade dem Fehlen ebensolcher ähnelt die gängige Wahrnehmung heute der von vor hundert Jahren. Konkrete Beschlüsse waren nicht gefasst worden. Allerdings war man auch nicht im Streit auseinandergestoben. Alle beteiligten Nationen erkannten die Wichtigkeit des gemeinsamen Konferierens an und verabredeten sich zur nächsten Konferenz. Und genau dies war für einen Beobachter des Berliner Börsen-Couriers bereits in der Ausgabe vom 15. Mai die Pointe von Genua. Sie habe deutlich gemacht, dass eine dauerhafte Konferenz notwendig ist, ein Weltparlament. Dass dabei der bereits bestehende Völkerbund mit keinem Wort erwähnt wird fällt auf, wenn wir Frank Riede lauschen.
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Folge vom 14.05.2022Georg Lukács ‘gratuliert’ Arthur Schnitzler zum GeburtstagGyörgy oder Georg, Luukatsch oder Lukaaaasch? Einigkeit über die Aussprache des aus Ungarn stammenden gleichnamigen Philosophen und Literaturwissenschaftlers konnte im akademischen Diskurs nie so recht hergestellt werden. Inhaltlich ist die Sache sehr viel klarer: Der Namensträger gilt als einer der wichtigsten und vor allem wirkmächtigsten marxistischen Denker des 20. Jahrhunderts, der die ästhetischen Aufbrüche der literarischen Avantgarden mit ihren formalen Experimenten vehement bekämpfte und seine marxistische Theorie des Realismus – Ironie der Geschichte! – ausgerechnet am Ideal des bürgerlichen Romans entwickelte. Für den feinsinnigen Psychologismus eines Arthur Schnitzler hatte die von ihm geprägte (in der sowjetischen Hemisphäre dereinst außerordentlich einflussreiche) Denkschule, wie für die gesamte Literatur des Fin de siècle, naturgemäß wenig übrig und lehnte dessen Werk mit der großen Geste ideologischer Selbstgewissheit als dekadent ab. Der Gruß, den Luukatsch – oder Lukaaaasch – dem international gefeierten Jubilar Schnitzler zum sechzigsten Geburtstag in der Roten Fahne vom 14. Mai 1922 nach Wien sandte, fällt denn auch wenig freundlich aus. Frank Riede liest ihn uns trotzdem vor.
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Folge vom 13.05.2022Gabriele Tergit: Batist, Kaschmirschals und MoralElisa Hirschmann, die mit dem Pseudonym Gabriele Tergit ihre publizistische und literarische Tätigkeit zeichnete, war eine der größten literarischen Wiederentdeckungen Ende der 1970er Jahre. Obgleich ihr 1932 erschienener Roman „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“ ein Erfolg war und sie für ihre Feuilletons und Gerichtsreportagen bekannt war, geriet sie für Jahrzehnte aus dem Fokus der Aufmerksamkeit. Wenige Jahre vor ihrem Tod 1982 wurde ihr Roman neu aufgelegt, ihre weiteren, bislang unveröffentlichten Werke erschienen post mortem. Erst 2021 ist ihr großes Portrait der deutschen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts „So war‘s eben“ zum ersten Mal erschienen. Wir lenken heute den Blick auf ihre Feuilletons, die sie während ihres Studiums in verschiedenen Zeitungen veröffentlichte. In der Vossischen vom 13. Mai 1922 erfahren wir von ihr über die Zusammenhänge von Damenkleidung, Nationalökonomie und Moral. Es liest Paula Leu.