
NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
-
Folge vom 07.05.2022Semana Santa in MalagaWer jemals in der Karwoche in Südspanien weilte, wird die Bilder vom Scheitel bis zur Sohle in Kutten vermummter, unter repetitivem Trommelwirbel stundenlang Kreuze und Monstranzen durch die Innenstädte tragender Kohorten von Gläubigen nicht vergessen. Dieser Brauch der Semana Santa ist Jahrhunderte alt und schlug Reisende aus dem Norden über all die Zeit in ihren Bann. So erging es offensichtlich auch einem gewissen Paul Frank, den es im Frühjahr 1922 nach Málaga verschlagen hatte, von wo er einen eindringlichen Bericht von der dortigen Gründonnerstagsprozession ins protestantisch-heidnische Berlin schickte. Die Morgenpost hat ihn ein paar Wochen später am 7. Mai abgedruckt – und Frank Riede ihn für uns eingelesen.
-
Folge vom 06.05.2022Jessner inszeniert Grabbe am SchauspielhausDer Name Christian Dietrich Grabbe ist, jenseits von Detmold, heute fast nur mehr germanistischen Spezialisten ein Begriff. Seine ambitionierten Dramen wie Herzog Theodor von Gothland oder Don Juan und Faust sind von der deutschen Bühne nahezu vollständig verschwunden. Vor einhundert Jahren sah das noch ein wenig anders aus, sein 1831 vollendetes Stück Napoleon oder Die hundert Tage war freilich auch schon damals in Weimarer Tagen ein eher selten gespieltes Werk. Mit seiner Inszenierung am Staatlichen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt wagte Intendant und Regisseur Leopold Jessner also quasi, wie man heute sagen würde, eine Ausgrabung. Das Ergebnis würdigt im Berliner Börsen-Courier vom 6. Mai 1922 dessen Chefredakteur Emil Faktor – und für uns Frank Riede.
-
Folge vom 05.05.2022Eduard Spelterini: Pionier der Luftfahrt und der LuftaufnahmeIn der heutigen Folge beschäftigen wir uns zusammen mit der Vossischen Zeitung vom 5. Mai 1922 mit der Luftballonfahrt und stoßen dabei auf den Pionier der Luftfahrt und Luftaufnahme: Eduard Spelterini. Der 1852 geborene Schweizer besorgte sich 1887 in Paris einen eigenen Ballon „Urania“ und flog mit ihm kreuz und quer durch Europa. Er beförderte Prominente, wie Kaiser Franz Joseph, den Grafen von Zeppelin, aber auch zahlreiche Wissenschaftler, die in der Höhe Experimente machten. Irgendwann um 1895 begann er aus dem Korb Luftaufnahmen auf Glasplatten zu machen, die mit der Zeit eine bedeutende Sammlung darstellten. Als der Motorflug die Ballon-Luftfahrt verdrängte und nach dem Ersten Weltkrieg die Begeisterung für Ballonfahrten nachließ, musste er seine Bildersammlung verkaufen und arbeitete Anfang der 20er Jahre vor einem Ballon posierend in einem Vergnügungspark in Kopenhagen. 23 zog er ins österreichische Zipf und baute eine Hühnerzucht auf. Gänzlich von der Weltöffentlichkeit vergessen starb er dort 1931. Paula Leu lässt uns an der Begeisterung für die Ballonfahrt und für Spelterini teilhaben.
-
Folge vom 04.05.2022BakschischDas Osmanische Reich, vor allem in seiner Spätphase, gilt im allgemeinen Bewusstsein als besonders von Korruption geplagt – das Schmieröl der Verwaltung war das Bakschisch. Das Wort stammt aus dem Persischen, in dem es zunächst Geschenk bezeichnete, für Almosen oder Trinkgeld benutzt wurde, aber zunehmend die Bedeutung von Schmiergeld annahm. An dem Narrativ der fröhlich korrupten Osmanischen Reiches strickt auch die Vossische in ihrer Ausgabe vom 4. Mai 1922 mit, die ihren deutsch-jüdischen Autor Eli Samgar das Prinzip Bakschisch erläutern lässt. Paula Leu brauchen wir nicht zu bestechen, damit sie liest.