
NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 03.05.2022Fünf Weichseldörfer zwischen Deutschland und PolenSeit wir mit diesem Podcast auf Sendung sind, ging es in ungezählten Folgen immer wieder um die Frage von Grenzziehungen in Folge des Ersten Weltkriegs, und auch im Frühjahr 1922 war diesbezüglich nach wie vor kein Ende in Sicht. Nicht nur in Oberschlesien, sondern auch in Westpreußen und Pommerellen stand die Klärung, wo Deutschland und wo Polen anfangen respektive enden sollten, immer noch aus. Zu den umstrittenen Gebieten, die es immer wieder in die hauptstädtische Presse schafften, zählten u.a. auch fünf Dörfer am Unterlauf der Weichsel, die zusammen zwar kaum ein paar hundert Einwohner zählten und in ihrer Mehrheit zusammen genommen auch hauchdünn für einen Anschluss an Polen votiert hatten – für deren Verbleib bei Deutschland das Berliner Tageblatt am 3. Mai aber dennoch leidenschaftlich auf die Barrikade stieg. Für uns berichtet aus Marienwerder Frank Riede.
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Folge vom 02.05.2022Der Erste Mai in FriedenauBerlin-Friedenau gilt seit Jahrzehnten als Inbegriff eines gefragten, links-bürgerlichen Innenstadtquartiers mit satten grün-roten Mehrheiten. Vor einhundert Jahren war dessen Prägung indes noch deutlich konservativer, was sich auch an der Ausrichtung des hiesigen Friedenauer Tageblatts ablesen ließ. Die Kundgebungen zum Ersten Mai, zum Tag der Arbeit, interessierten hier nur, so lange sie die kommunistischen und unabhängigen Aktivisten auf ihrem Weg zum Lustgarten entlang der Hauptstraße durch den Bezirk führten und sich gleichsam von oben aus dem Fenster betrachten ließen. Und was man dort, aus sicherer Entfernung, so an Beobachtungen machte und anderntags, am 2. Mai 1922, über das durchmarschierende Proletariat zu Papier brachte, klingt auch nicht besonders herzlich. Oder, Paula Leu?
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Folge vom 01.05.2022Gänge durch Berliner Bildungsstätten: Das NaturkundemuseumDas Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung lautet der vollständige Name des Hauses in der Berliner Invalidenstraße, das weltweit bekannt ist für das riesige in Lebensgröße aufgebaute Skelett des Brachiosaurus brancai. Neben der Ausstellung, die sich etwa im Jahre 2019 über 700 Tausend Besucher:innen anschauten, lädt das Museum zusammen mit der Initiative „Wissenschaft im Dialog“ zu Bürgerwissenschaftsprojekten ein, bei denen sich jeder an wissenschaftlicher Forschung beteiligen kann. 1922 machte die Berliner Morgenpost in ihrer Reihe „Gänge durch Berliner Bildungsstätten“ halt und berichtete am 30. April, also in der Ausgabe, die auch den zeitungsfreien 1. Mai bespielte, darüber. Der Brachiosaurus stand damals freilich noch nicht. Welche Exponate vor hundert Jahren im Lichthof ausgestellt waren, und dass manche davon aus den ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika stammten, schildert für uns Frank Riede.
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Folge vom 30.04.2022Joseph Roth und das Lächeln der WeltgeschichteWas macht es mit uns, dass wir immer und überall damit rechnen müssen, von einer Handykamera gefilmt oder fotografiert zu werden? Wie verändert sich unser Verhalten im öffentlichen Raum? Was bedeutet es erst für den Alltag von sogenannten Prominenten? Eine erste Revolution in dieser Hinsicht vollzog sich in den 20er Jahren, als die Photokameras zunehmend mobiler und die Photomaterialien empfindlicher wurden. Damit einhergehend feierten illustrierte Magazine, in denen die Zeichnungen durch Photografien ersetzt wurden, mit riesigen Auflagen Erfolge. Ein Riesenschritt auch für das, was wir heute als Boulevardjournalismus bezeichnen. Für den Berliner Börsen-Courier vom 30. April 1922 dachte Joseph Roth über die Auswirkungen der Schnappschüsse in den Medien, über das Dauerfotolächeln der Politik nach. In seinem Studio, vor neugierigen Paparazzi-Objektiven geschützt, liest für uns Frank Riede.