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Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 11.03.2022Im LeichenschauhausDie 1920er Jahre waren natürlich nicht identisch mit dem heutigen Klischee über sie, aber manchmal findet sich einiges von diesem dann doch auch in den historischen Zeitungen. Unser heutiger Artikel aus der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 11. März 1922 begibt sich in ein Leichenschauhaus und wartet dort mit viel typisch-düsterem Zeitkolorit auf, wie es nicht zuletzt aus Serien wie Babylon Berlin kennen. Darüber hinaus handelt der Artikel aber auch davon, wie dicht kalter Tod und pulsierendes Leben nebeneinander liegen – nicht nur aber ganz besonders im Berlin der 1920er Jahre – es liest Frank Riede.
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Folge vom 10.03.2022Skispiele am HolmenkollenWeshalb sich die Schauspielerin Johanna Terwin, die Ehefrau Alexander Moissis, im Frühjahr 1922 in Christiania, dem heutigen Oslo, eigentlich aufhielt, verrät uns der Artikel aus der B.Z. am Mittag vom 10. März nicht. Auf jeden Fall verdanken wir ihr einen höchst anschaulichen, farbenfrohen Bericht über ein norwegisches Nationalspektakel, das auch noch heute Jahr für Jahr um dieselbe Zeit die Augen der sportinteressierten Weltöffentlichkeit zum Holmenkollen, der legendären Skisprunganlage im Nordwesten Oslos, richten lässt. Die Weiten sind heute andere, die Zahl der Stürze hat sich deutlich reduziert, und Mitglieder des Königshauses sieht man mittlerweile eher nur noch auf der Tribüne – ansonsten mutet das Bild der so erfolgreichen, wie begeisterten, wie sympathischen Wintersportnation Norwegen, das die Terwin zeichnet, allerdings seltsam vertraut an. Für uns stürzt sich Paula Leu vom Bakken.
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Folge vom 09.03.2022Ihr seid das Ruhrgebiet!Die Städte des Ruhrgebiets befinden sich ausnahmslos in einem Jahrzehnte langen Transformationsprozess, der die Strukturen aus der Zeit der kohlefördernden und Stahl produzierenden Industrie in die auf der digitalen Revolution basierende Wirtschaft überführen soll. Egal ob in Duisburg, Dortmund, Essen, Bochum oder Castrop-Rauxel, überall gibt es Renaturierungsprojekte der Industriebrachen, die Umwandlung der Bergwerke zu Kulturzentren und die Ansiedlung neuer Wirtschaftszweige in Technologieparks. Vor einhundert Jahren war das Ruhrgebiet, verstärkt durch die Abtretung von Teilen des oberschlesischen Bergbaus an Polen, der eigentliche Motor der deutschen Wirtschaft und wuchs kontinuierlich. Die Ansiedlung neuer Arbeiter und die Erschließung immer neuer Kohlefördergebiete, stellten eine Herausforderung für die Stadtplaung und die Infrastruktur dar. Eingemeindungen und Zusammenschlüsse waren auf der Tagesordnung. Von diesem Strukturwandel berichtet das Berliner Tageblatt vom 9. März 1922. Frank Riede liest.
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Folge vom 08.03.2022Hermes und der gute WeinSchmiergelder, Aufsichtsratsposten, Bobbycars – Geschenke an Politiker und der dahinter lauernde Verdacht der Bestechlichkeit sind ein zeitloses Thema. Auch die investigative Presse der jungen Weimarer Republik sah es in diesem Sinne vornehmerweise als ihre Aufgabe an, entsprechende Verfehlungen aufzudecken. Im konkreten Fall ist es die USPD-Parteizeitung Freiheit, die in ihrer Ausgabe vom 8. März 1922 den amtierenden Reichsfinanzminister Andreas Hermes mit einem im doppelten Sinne delikaten Vorwurf konfrontiert: Er soll noch in seinem vorherigen Amt als Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft etliche Flaschen edlen rheinischen Weines privat zu Dumping-Preisen bezogen haben. Was an dem Verdacht dran war, konnte das Recherchenetzwerk Auf den Tag genau kurzfristig leider nicht ermitteln. Unbedingt hingewiesen sei von unserer Seite jedoch darauf, dass sich Hermes in seinem weiteren Leben sehr wohl als Ehrenmann präsentierte. Wegen seines Widerstandes gegen das NS-Regime war er gleich mehrfach inhaftiert. Vor der Vollstreckung eines Todesurteils wegen seiner Verbindungen zum 20. Juli bewahrte ihn nur die Befreiung Berlins durch sowjetische Truppen. Es liest Frank Riede.