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Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 27.02.2022Berlin schlägt München. Im Fußball!In Zeiten, da sich zwei, drei Handvoll Spitzenteams aus Europas Fußball-Top-Ligen am liebsten aus ihren nationalen Meisterschaften in eine finanziell noch lukrativere Europaliga verabschieden würden, sollte unser heutiger Podcast so richtig das Herz von Fußball-Nostalgikern erwärmen: Vor einhundert Jahren noch war die Leistungsdichte der Clubs – z.B. in Berlin oder München – selbst innerstädtisch so groß, dass es Sinn machte, Stadtauswahlmannschaften zu bilden, um zumindest dann und wann einmal die besten Kicker im Umkreis beisammen zu haben und sich im Städtevergleich messen zu lassen. Während sich im Spielbericht der Neuen Zeit vom 27. Februar 1922 in der Münchner Auswahl immerhin einige flüchtig bekannte Vereinsnamen wie der FC Bayern oder 1860 finden (und in Ansätzen fast so etwas wie Blockbildung zu konstatieren ist), dürften die Heimatclubs der meisten nominierten Berliner nur intimeren Kennern der hiesigen Szene vertraut sein. Den Ballkünstlern vom VfB Pankow, Norden-Nordwest oder dem FC Vorwärts 1890 gelang dennoch, woran ihre zeitgenössischen hauptstädtischen Nachfolger meist scheitern: Sie bezwangen die Bayern. Für uns hat sich Paula Leu unter die 20.000 Schlachtenbummler an der Olympiabahn Plötzensee gemischt.
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Folge vom 26.02.2022Das muslimische BerlinEs ist schon in einigen Episoden unseres Podcast durchgeklungen: Berlin wies bereits vor einhundert Jahren sehr wohl Züge einer kosmopoliten, von Internationalität und kultureller Pluralität geprägten Metropole auf. Lange vor dem sogenannten Anwerbeabkommen der Bundesrepublik Deutschland mit der Türkei aus dem Jahr 1961 gab es hier etwa schon muslimische communities, die sich ihrerseits in konfessioneller und ethnischer Hinsicht vielfältig unterschieden. Der sozialdemokratische Vorwärts widmete diesem muslimischen Berlin am 26. Februar 1922 einen Artikel. Dabei verwendet er einige heutzutage nicht mehr gebräuchliche, zum Teil auch als diskriminierend empfundene Begriffe, zeichnet zugleich jedoch ein stadtgeschichtlich höchst interessantes, vielschichtiges Bild gelebter zwischenkriegszeitlicher Multikulturalität. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 25.02.2022Neue Grippesymptomatik1922 waren sowohl die Experten, also Ärzte und Virologen, als auch die ganze Bevölkerung noch gezeichnet von der Grippe-Pandemie, die in den Jahren 1918 bis 1920 wütete und als „Spanische Grippe“ in die Geschichte einging. In den Folgejahren wurde der alljährlichen Grippe-Saison große Aufmerksamkeit zu Teil. Wie ansteckend sind die kursierenden Influenza-Viren und wie schlimm sind die Verläufe? Daten wurden in den Arztpraxen und in den Krankenhäusern gesammelt, mit den Entwicklungen im benachbarten Ausland abgeglichen. Das Jahr 1922, so der allgemeine Eindruck der 20er Jahre Drostens, Streecks und Lauterbachs, brachte eine milde Grippewelle. Allerdings beobachteten sie eine neue Symptomatik in Zusammenhang mit der Grippe, die bislang unbekannt war und sich rasant verbreitete. Auch da konnte die Neuköllnische Zeitung vom 25.2.1922 allerdings Entwarnung geben. Über den „Grippe-Hexenschuss“ 1922 berichtet Paula Leu.
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Folge vom 24.02.2022Faust im LessingtheaterBerlin mag im 21. Jahrhundert unverändert eine pulsierende Theatermetropole sein – über ganz so viele große Bühnen wie vor einhundert Jahren verfügt es nicht mehr. Zu den nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder aufgebauten und heute nur noch Insidern bekannten diesbezüglichen Einrichtungen zählt das Lessingtheater, das 1888 unweit von Lehrter und Hamburger Bahnhof, am heutigen Kapelle-Ufer errichtet wurde und dessen Mauern – bis zu seiner Zerstörung bei einem späten alliierten Bombenangriff im April 1945 – einige allemal prominente Uraufführungen erlebte. Gerhard Hauptmanns Vor Sonnenaufgang, Und Pippa tanzt! sowie seine Ratten erblickten hier genauso das Licht der Theaterwelt wie Arthur Schnitzlers Anatol oder Henrik Ibsens Baumeister Solneß. Ende Februar 1922 stand indes keine zeitgenössische Dramatik, sondern der deutsche Klassiker schlechthin neu auf dem Spielplan: Goethes Faust, in einer Inszenierung von Victor Barnowsky, ausgestattet von Lovis Corinth, mit Theodor Loos, Emil Jannings und Käthe Dorsch in den Hauptrollen. Letzterers Gretchen wurde allenthalben hymnisch gefeiert. Ansonsten fielen die Kritiken zeitungsübergreifend, nun ja, zwiespältig aus, so auch die von Josef Adolf Bondy im 8-Uhr-Abendblatt vom 24.2. Näheres weiß Frank Riede.