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Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 19.02.2022Hermann Hesse: Betrachtung über ChinaDer Schriftsteller Herman Hesse war 1911 auf der Suche nach spirituell-religiöser Inspiration nach Indien gereist und beschäftigte sich fortan immer wieder mit indischen und chinesischen Gedankenwelten. Neben dem Reisebericht „Aus Indien – Aufzeichnungen von einer indischen Reise”, der 1913 erschien, schlug sich dies prominent in seinem literarischen Schaffen in dem Buch „Siddhartha“ nieder, das im Herbst 1922 veröffentlicht wurde. Während er an dieser Erzählung schrieb, reflektierte er für die Vossischen Zeitung vom 19.2. 1922 in einem Artikel die aktuelle politische Situation in China und die spirituellen Antworten auf diese. Paula Leu macht ihn für uns hörbar.
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Folge vom 18.02.2022Mit einem Spazierstock kann man nicht telephonieren!Der einer Alt-Berliner Hugenottenfamilie entstammende Kolumnist Victor Auburtin zählt zu den fleißigsten Autoren dieses Podcasts. Zuletzt war er hier an Heiligabend mit einem Festtagsvorbericht aus dem vorweihnachtlich-grünen Thüringer Wald zu hören. Nun kehrt er mit einer gleichsam mediengeschichtlichen Miniatur über den Spazierstock nach Berlin und in das Programm von Auf den Tag genau zurück. Dass wir auf Auburtin so gerne zurückgreifen, hat gewiss damit zu tun, dass seine Texte stilistisch wie für eine spätere Verpodcastung geschrieben sind. Die heutige Folge aus dem Berliner Tageblatt vom 18. Februar 1922 belegt allerdings auch inhaltlich, dass Auburtins technische Phantasie seiner Zeit weit voraus war. Auf seinem Spaziergang begleitet ihn Frank Riede.
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Folge vom 17.02.2022In memoriam Franz MarcSeine blauen Pferde zählen zu den Ikonen der ästhetischen Moderne: Franz Marc war nicht nur einer der wichtigsten Protagonisten der Künstlergruppe ‘Blauer Reiter‘, sondern der zeitgenössischen deutschen Malerei überhaupt, als er im März 1916 wie so viele seiner Generationsgenossen auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs, unweit von Verdun, sein junges Leben ließ. Nachdem seine Heimatstadt München an ihn bereits im Herbst 1916 in einer „Franz Marc-Gedächtnis-Ausstellung“ erinnert hatte, besann man sich fünfeinhalb Jahre später seiner nun auch in Berlin mit einer Schau im Kronprinzen-Palais, von der die Vossische Zeitung vom 17. Februar 1922 berichtete. Deren Kunstkritiker Max Osborn war mit allen Hauptvertretern sämtlicher Avantgarden eng vertraut; mit Franz Marc verband ihn, wie der nachfolgende Artikel offenbart, darüber hinaus jedoch noch eine berührende ganz persönliche Verbindung. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 16.02.2022Wirth erhält KanzlermehrheitMit Joseph Wirth amtierte seit Mai 1921 der bereits siebente Kanzler der noch so jungen Weimarer Republik – und mit seinen bei Amtsantritt 41 Jahren der bis heute jüngste obendrein. Die Probleme des als Vertreter des linken Zentrum-Flügels geltenden Wirth waren freilich im wesentlichen die gleichen wie die seiner sämtlichen Vorgänger und Nachfolger: fragile Mehrheiten, die es kaum möglich machten, den enormen außen- wie innenpolitischen Herausforderungen mutige Konzepte entgegenzusetzen. Seine Wiederauflage der Weimarer Koalition aus SPD, Zentrum und DDP war eigentlich auf eine Tolerierung durch die rechtsliberale DVP angewiesen, die vor dem Hintergrund von Eisenbahnerstreik und neuen alliierten Reparationsforderungen Wirth und vor allem dessen neuen Außenminister Rathenau allerdings nicht länger unterstützen wollte. Dass jener das von ihm angestrengte Vertrauensvotum am 15. Februar 1922 dennoch politisch überlebte, verdankte sich vor allem Stimmenthaltungen aus den Reihen der Unabhängigen Sozialdemokraten. Die Berliner Volks-Zeitung vermeldete es anderntags mit Wohlwollen. Es liest Frank Riede.