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Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 03.02.2022Die Winterspiele in Garmisch-PartenkirchenSkifahren, Rodeln, Eislaufen – die 1920er Jahre waren, wie in den letzten Wochen schon mehrfach hier im Podcast zu erleben, Boomjahre des Wintersports. Dessen wachsende Beliebtheit befeuerte alte Forderungen, die betreffenden Disziplinen auch im olympischen Kalender zu berücksichtigen und ergänzend zu den alle vier Jahre veranstalteten Sommerspielen auch Winterspiele ins Leben zu rufen. Die Tatsache, dass sich das Internationale Olympische Komitee vor allem in Person seines Gründungsvater Pierre de Coubertin lange gegen diese Idee sträubte, führte nur dazu, dass sich vermehrt andere Veranstalter dieses Begriffs bedienten und ihre Sportfeste zumindest informell als Olympiaden deklarierten. So geschehen u.a. auch in Garmisch-Partenkirchen, wo bereits im Januar 1922, also vierzehn Jahre vor der ersten und bislang einzigen Austragung offizieller Olympischer Winterspiele auf deutschem Boden, viel beachtete ‘Deutsche Kampfspiele‘ ausgetragen wurden. Entgegen dieser etwas martialisch anmutenden Bezeichnung weiß die Berliner Morgenpost vom 3. Februar von einem durchaus internationalen und mondänen Charakter dieses Events zu berichten. Für uns stürzt sich Paula Leu von der Schanze und ins Getümmel.
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Folge vom 02.02.2022Widerstand gegen Rathenau als AußenministerDer Industrielle, Schriftsteller und Mitbegründer der Deutschen Demokratischen Partei Walther Rathenau war ab Mai 1921 Wiederaufbauminister, später vertrat er die Regierung bei den Reparationsverhandlungen mit den Alliierten in London und Cannes. Reichskanzler Wirth machte ihn am 31.1. 1922 zum Außenminister, womit er nun ganz offiziell das Mandat hatte, Deutschland bei den nächsten internationalen Verhandlungen in Genua zu vertreten. Diese Personalie der Regierung traf auf heftigen Widerstand der rechten Parteien. Aber auch die nationalliberale DVP, die zahlreichen politischen Entscheidungen des Minderheiten-Kabinetts Wirth mit ihren Stimmen zur Mehrheit verhalf, stieß sich an dem international geschätzten Rathenau. Sie drohte nun in einer innenpolitischen Angelegenheit, nämlich bei den Beschlüssen des Steuerausschusses, ihre Stimmen zu versagen. Diese politischen Manöver beleuchtet für ihre Leserschaft Ernst Feder im Berliner Tageblatt am 2.2. 1922 und Frank Riede heute für unsere Hörerschaft.
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Folge vom 01.02.2022Kriegs- und Stimmungsbericht aus MarokkoDer kolonialistische Wettlauf der europäischen Groß- und Mittelmächte um die Welt des 19. und frühen 20. Jahrhunderts machte auch vor dem alten Sultanat Marokko nicht Halt. Frankreich, Spanien und Deutschland überbooten sich vor dem Ersten Weltkrieg am Atlasgebirge in Kanonenbootpolitik. Am Ende ging Deutschland bekanntlich leer aus, Frankreich sicherte sich den Löwenanteil, und Spanien wurde bereits im Vertrag von Fès 1912 an der Nordküste ein Protektorat zugesprochen, das es zehn Jahre später endlich auch militärisch unter seine Kontrolle zu bringen versuchte. Resultat war ein Jahre langer, äußerst schmutziger, d.h. zum Teil sogar mit Senfgas geführter Kolonialkrieg gegen den Widerstand der sogenannten Rifkabylen, der hin und wieder auch die Berliner Zeitungen erreichte. Einen außergewöhnlich ausführlichen Stimmungs- und Hintergrundbericht aus der bereits seit 1497 (und auch noch heute) zu Spanien gehörenden Enklave Melilla lieferte am 1. Februar 1922 das Berliner Tageblatt in seiner international ausgerichteten Wochen-Ausgabe. Für uns ihr nachgereist ist Frank Riede.
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Folge vom 31.01.2022Friedrich der Große auf der LeinwandDas Leben von Friedrich dem Großen erfreute sich während der Weimarer Republik einer großen Beliebtheit als Filmsujet. Ließ sich dieser Erfolg durchaus mit einer Sehnsucht eines Teils des Publikums nach der (auch militärischen) Größe und Stabilität Preußens verbinden, so folgte daraufhin die Vereinnahmung Preußischer Geschichte durch den Nationalsozialismus, die diesen Punkt zum zentralen Interpretationsanker machte. Von einem großen vierteiligen Filmwerk mit dem Titel „Fridericus Rex“ feierten die ersten beiden Teile „Sturm und Drang“ und „Vater und Sohn“ am 30. Januar 1922 Premiere. Friedrich wurde vom Schauspieler Otto Gebühr gespielt, für den dies eine Art Lebensrolle werden sollte, denn er sollte Friedrich in insgesamt 12 Filmen verkörpern. Der Kolumnist der BZ am Mittag Eugen Tannenbaum war bei der Premiere dabei und Paula Leu liest für uns die danach verfasste und am Folgetag erschiene Kritik. Gerne verweisen wir auf www.stummfilm-magazin.de, in dessen Reihe “100 Jahre Stummfilmklassiker der Weimarer Republik” sich auch der “Fridericus Rex” befindet.