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Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 18.01.2022Die Meisterin vom BillardtischDie historischen Wurzeln des Billard-Spiels liegen im Dunkeln, reichen aber vermutlich bis ins späte Mittelalter zurück. Seine moderne Gestalt, was Tisch, Queue und Bälle betrifft, prägte es im 19. Jahrhundert aus, an dessen Ende auch die uns heute noch bekannte Ausdifferenzierung in unterschiedlichste Varianten weitgehend abgeschlossen war: In der britischen Welt setzte sich vor einhundert Jahren das dort bis heute sehr beliebte Snooker durch, während auf dem Kontinent, aber teilweise auch in Amerika das diesem verwandte, aber im Vergleich etwas weniger komplexe Poolbillard in puncto Popularität tendenziell hinter dem lochlosen Karambolage-Billard mit seinen zahlreichen Unterarten zurückblieb. Bei seinem Charakter als Kneipensport wenig überraschend, war Billard lange überwiegend Männersache. Unser heutiger Artikel aus der Berliner Morgenpost vom 18. Januar 1922 ist jedoch explizit einer Spielerin gewidmet. Dass die Niederländerin Lies Schrier mit ihren spielstarken männlichen Konkurrenten mehr als nur mithalten konnte, nötigt dem Autor dabei hörbar großem Respekt ab, lässt ihn dann und wann aber dennoch in einen leicht gönnerhaften Ton zurückfallen. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 17.01.2022Georg Heym zum (einhundert)zehnten TodestagEtlichen Protagonisten der Anfang des 20. Jahrhunderts aufbrechenden Expressionisten-Generation war ein tragisch kurzes Leben und Wirken beschieden. Die Felder des Ersten Weltkriegs wurden nicht nur zum Grab für Abermillionen, sondern auch für einige der größten künstlerische Hoffnungen. Georg Heym schaffte es nicht einmal bis hierher, obwohl er wie kaum ein anderer diese nahenden Schrecken dichterisch vorausahnte. Am 16. Januar 1912 traf Heym sich mit seinem Freund Ernst Balcke, um auf der zugefrorenen Havel bei Gatow Schlittschuhlaufen zu gehen, und kam bei dem Versuch, seinen im Eis eingebrochenen Begleiter zu retten, selbst, gerade vierundzwanzigjährig, ums Leben. Zehn Jahre später ist die Welt längst eine ganz andere geworden. Dennoch nimmt sich das Berliner Tageblatt vom 17. Januar 1922 in Person von Heyms Kollegen und Herausgeber Kurt Pinthus die Zeit, an einen der bedeutendsten deutschen Lyriker anlässlich seines zehnten Todestages zu erinnern. Zu seinem einhundertzehnten tut dies für uns Frank Riede.
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Folge vom 16.01.2022St. Moritz in BerlinAlpiner Wintersport war in der Berliner Presse der frühen 1920er Jahre ein absolutes Modethema, für die allermeisten Berlinerinnen und Berliner seinerzeit allerdings praktisch noch ein ganz und gar unerschwingliches Vergnügen. Wenn der Prophet – buchstäblich – nicht zum Berg kommt, muss der Berg halt zum Propheten kommen. Oder um es mit der Neuen Zeit vom 16. Januar 1922 zu formulieren: Wenn man sich St. Moritz nicht leisten kann, muss Berlin eben zu St. Moritz werden. Üppiger Schnee, strahlender Sonnenschein und ein wenig Phantasie machten es zumindest für ein paar Wochenendstunden möglich. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 15.01.2022Die Schule der SchlangenmenschenDie Geschichte des Jiu-Jitsu in Deutschland, und des asiatischen Kampfsports überhaupt, ist eng mit der Person Erich Rahn verbunden. Als Sohn eines Kaufmannes, der mit Fernost handelte, gab es Erich, so die Legende, zu denken, dass die viel kleineren Kinder der japanischen Handelspartner ihn, der viel kräftiger und größer war, stets beim Rangeln besiegten. Später sah er in einem Berliner Zirkus einen japanischen Meister kämpfen – solche Touren durch europäische Varietés und Zirkusbühnen waren damals üblich – und lies sich von diesem ausbilden. 1906 eröffnete Rahn dann die erste Jiu-Jitsu-Kampfsportschule Deutschlands im Hinterzimmer einer Kneipe. Er hatte damit wenig erfolgt. Doch dann trat auch Rahn im Zirkus gegen beliebige Gegner auf und wurde nie besiegt, wodurch die Polizei auf ihn aufmerksam wurde und ihn 1910 zum Ausbilder im Nahkampf machte. In den 20er Jahren hatte er dann auch mit seiner Schule in Berlin Erfolg, die ein Journalist der Berliner Volks-Zeitung für seinen am 15. Januar 1922 abgedruckten Bericht besucht. Auch er ist angetan vom Sieg der Schnelligkeit und Intelligenz über die rohe Kraft. Für uns berichtet Frank Riede von den Anfängen der Kampfsportschulen des Jiu-Jitsu.