
NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 22.01.2022Hochwasserschutz im AhrtalVor einem Jahr wäre uns dieser Artikel mit Sicherheit noch durch die Lappen gegangen: Die Deutsche Allgemeine Zeitung hat es am 22. Januar 1922 ins Ahrtal verschlagen. Die beschauliche Eifelgegend zwischen Blankenheim und Sinzig ist – man höre und staune – wiederholt von schlimmen Überschwemmungen heimgesucht worden. Deshalb ist die Errichtung einer Talsperre, der Ahrtalsperre, als Schutzmaßnahme vor künftigem Hochwasser beschlossene Sache. Was in den folgenden neunundneunzigeinhalb Jahren nicht gebaut wurde, ist bekannt. Dass die Pläne zugunsten des Baus des Nürburgrings zurückgestellt und dann nie realisiert wurden, fügt den Versäumnissen des vergangenen Sommers eine weitere makabre Komponente hinzu. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 21.01.2022Nekrolog auf einen noch lebenden PapstAm morgigen 22. Januar 2022 jährt sich zum einhundertsten Mal der Tod des vormaligen Bischofs von Rom, Papst Benedikts XV. Entsprechend überrascht werden Kennerinnen und Kenner unseres Podcastformats zur Kenntnis nehmen, auf unserem Kanal bereits heute einen Nachruf auf den sogenannten Friedenspapst vorzufinden. Keine Sorge, wir haben nicht über Nacht die Spielregeln für unsere Textauswahl geändert, sondern perpetuieren nur eine auf den Tag genau einhundertjährige Falschmeldung, die die Zeitungen in London, Paris und Berlin um ein paar Stunden verfrüht, d.h. noch zu Lebzeiten von Benedikt XV. Abschied nehmen ließ. Ob dieser von den zahlreichen voreiligen Nekrologen auf seine Person – wie etwa dem folgenden von Emil Ludwig aus dem 8-Uhr-Abendblatt vom 21. Januar 1922 – in den wenigen ihm noch verbleibenden Stunden noch etwas mitbekommen hat, ist nicht überliefert. Für uns gedenkt seiner Frank Riede.
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Folge vom 20.01.2022Deutschland entsetzt über Regierungswechsel in FrankreichDer Erste Weltkrieg war vor einhundert Jahren bereits seit über drei Jahren vorbei, aber über den Frieden wurde noch immer verhandelt. Im Januar 1922 tat man dies zur Abwechslung in Cannes, wo das Ersuchen des deutschen Vertreters Walther Rathenau um Aufschub der fälligen Reparationszahlungen beim britischen Premierminister Lloyd George und seinem französischen Amtskollegen Aristide Briand auf überraschend offene Ohren gestoßen war. Schon wenige Tage später waren alle Beschlüsse indes null und nichtig, da das Parlament in Paris Briand die Unterstützung verweigerte und der als antideutscher Hardliner verschriene Raymond Poincaré sich anschickte, Briand an der Regierungsspitze abzulösen und von dort auf die Einhaltung aller Deutschland im Versailler Vertrag auferlegten Pflichten zu pochen. Die deutsche Öffentlichkeit reagierte auf die Wendung allenthalben entsetzt, so auch der Vorwärts am 20. Januar. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 19.01.2022Ein neues Buch von Sigmund FreudZu den zahlreichen historischen Privilegien der Presse in den 1920er Jahren gehörte, dass sie neben vielen anderen epochalen Ereignissen immer wieder auch Neuerscheinungen eines gewissen Dr. Sigmund Freud aus Wien besprechen durfte. Dessen Grundlagenwerke Die Traumdeutung oder Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse waren vor einhundert Jahren zwar bereits längst veröffentlicht und gesellschaftlich rezipiert worden. Freud war jedoch ein äußerst fleißiger Denker und Schreiber, der beinahe im Jahresrhythmus seine Theorie vertiefende neue Studien nachlegte. 1921 war in diesem Zuge die Schrift Massenpsychologie und Ich-Analyse herausgekommen, die schon damals, äußerst prophetisch, die Verführbarkeit politischer Massen durch charismatische Führerfiguren unter die Lupe nahm. Wie unmittelbar biographisch ihn dieses Thema dereinst einholen würde, mochte Freud damals ebenso wenig geahnt haben, wie sein Rezensent in der Berliner Börsen-Zeitung vom 19. Januar 1922, Hanns Brodnitz – der sich anders als Freud nicht mehr rechtzeitig ins Exil retten konnte und 1944 von den Nazis in Auschwitz ermordet wurde. Es liest Frank Riede.