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Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 07.02.2022Die verunglückte ArbeiteraktieManfred Krug kaufte Telekom-Aktien und viele Leute kauften mit. Der Boom an der Börse in den 90er Jahren führte bekanntlich spätesten mit dem Platzen der “New Economy-Blase” zu unzähligen um ihre Lebensersparnisse gebrachten Kleinanleger. Den Versuch über Belegschafts- oder Volksaktien breitere Bevölkerungsschichten an den Gewinnen der Wirtschaft zu beteiligen gab es freilich schon früher. Ludwig Erhardt förderte dies etwa in den 60ern. Aber auch schon 1922 wurden solche Kleinanleger-Modelle diskutiert und die Firma Krupp versuchte, Aktien an ihre langjährigen Arbeiter:innen zu verteilen, … also zu verkaufen. Einen Überblick über das Entstehen oder eben Nicht-Entstehen des Kleinanlegertums in Deutschland bietet die Berliner Volks-Zeitung am 7. Februar 1922. Paula Leu, die bei einem Börsengang von Auf den Tag genau garantiert Belegschaftsaktien bekommt, liest.
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Folge vom 06.02.2022Wider den StreikWer ‘Auf den Tag genau‘ schon etwas länger verfolgt, weiß: Die frühen Jahre der Weimarer Republik waren eine Zeit harter Arbeitskämpfe, die hier im Podcast nicht nur verschiedentlich Thema waren, sondern hin und wieder auch die Auswahl erheblich einschränkten, weil bisweilen auch Druckereien oder Zulieferer bestreikt wurden und Zeitungen nicht erscheinen konnten. Anfang 1922 befanden sich zunächst nur die Eisenbahner im Ausstand und schränkten die Verbindung zwischen den deutschen Städten über Wochen krass ein. Dann aber folgten ihnen in Berlin auch die Arbeiter der städtischen Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke in den Ausstand und beamten die Millionenstadt für wenige Tage bei winterlichen Temperaturen zurück in einen fast vorindustriellen Zustand. Die politische Ablehnung dieses Streiks fiel bis hin zur USPD überraschend einhellig aus. Auch die am 6, Februar trotz Streiks erscheinende Vossische Zeitung wetterte heftig und verband ihre Missbilligung mit einem Plädoyer für die Wirtschaftspolitik der amtierenden Reichsregierung Wirth. Ihr Argument präsentiert uns Frank Riede.
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Folge vom 05.02.2022Der Wettbewerb “Turmhaus Friedrichstraße”Das Turmhaus am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin sollte das erste Hochhaus der Hauptstadt werden und der entsprechende Architekturwettbewerb des Jahres 1921 fand eine große Beachtung. Es beteiligten sich zahlreiche renommierte Architekten und die besten Entwürfe wurden Anfang 1922 in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Mies van der Rohe ging mit dem visionären, als „Wabe“ bekannten Entwurf an dem Wettbewerb, schaffte es aber nicht einmal in die zweite Runde. Nach der Besichtigung der ausgestellten Modelle und Skizzen ist sich der Kritiker des Berliner Tagblattes Fritz Stahl in der Ausgabe vom 5.2.1922 ganz sicher: es haben die falschen Entwürfe die Preise gewonnen. Seine Wünsche an ein Hochhaus an der Friedrichstraße liest Paula Leu.
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Folge vom 04.02.2022Vom Nackttanz zum WohltätigkeitsballZum zweiten Mal bringen wir heute einen Text aus der Rubrik „Am Kurbelkasten“ aus der Berliner Volks-Zeitung, in der verschiedene kleinere Nachrichten in einem Text verknüpft werden. Die Ausgabe vom 4. Februar 1922 bietet einen interessanten Blick auf die zahlreichen Prozesse gegen sog. „Nackt-Tänzerinnen“, die Anfang 1922 vor den Gerichten verhandelt wurden. Über das Ballet Celly de Rheidt hatten wir berichtet. Eine weitere Tänzerin mit dem Künstlernamen Lola Bach wurde tatsächlich zu einer einmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Der Blick des Artikels auf die ökonomischen Strukturen dahinter verlässt die im Kontext der Prozesse übliche Argumentation über Kunstfreiheit vs. Sittlichkeit und kurbelt dann meinungsfroh zu einer Kritik der Wohltätigkeitsbälle. Frank Riede kurbelt für uns mit.