
NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 03.03.2022Sexualpädagogik in MädchenschulenDie Geschichte von den frivolen, freizügigen und libertinären Zwanziger Jahren wird gern und ausgiebig in Ausstellungen, fiktionalen Fernsehserien und Dokumentationen erzählt. Unsere heutige Folge beleuchtet die in der Weimarer Republik ebenso präsente Gegenseite der konservativen bürgerlichen Sexualmoral. In der Vossischen Zeitung vom 4. März 1922 stellt sich die damals 35jährige Historikerin und Pädagogin Johanna Philippson die Frage nach der richtigen Sexualpädagogik auf der Mädchenschule. Nicht nur wirkt auf uns wie hier das Thema Sexualität umkreist und umschrieben wird, etwas verklemmt, auch das Frauenbild, in dem die Vokabel der „Reinheit“ im Zentrum steht, ist für das Gros der Bevölkerung heute nicht mehr zeitgemäß. Für uns traut sich an das heikle Thema Aufklärung in der Schule Paula Leu.
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Folge vom 02.03.2022Der Zulauf zu den “Kurpfuschern”Die wirtschaftlichen Bedingungen des Nachkriegsdeutschland zwangen zu kreativen, mitunter auch halbseidenen oder gar widergesetzlichen Strategien des Gelderwerbs. Eine Boom-Branche in dieser Hinsicht scheint das weite Feld der medizinischen Dienstleistungen gewesen zu sein, denn mit entsprechenden Hochstapeleien, esoterischen Methoden und großen Versprechungen ließ sich auch der besseren Gesellschaft das Geld aus der Tasche ziehen. Die approbierten Ärzte wüteten dementsprechend gegen das Heer dieser Kurpfuscher. Davon handelt der heutige Artikel aus dem Berliner Tageblatt, vom 2. März 1922. Frank Riede nimmt uns mit auf einen Streifzug durch die Kurpfuscher-Szene.
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Folge vom 01.03.2022Royale Hochzeit in EnglandSeltsam, aber wahr: Europäische Königshochzeiten erzielen noch immer höhere Einschaltquoten als Auf den Tag genau – obwohl wir viel häufiger auf Sendung gehen. Also tun wir das Naheliegende – von der Bunten und vom NDR lernen heißt offenbar siegen lernen – und begeben uns selbst in die royale Hochzeitskutsche, fahren vor dem Buckingham Palace vor und winken huldvoll in fähnchenschwenkenden Massen. Entsprechende Veranstaltungen gab es schließlich auch schon 1922. Die Berliner Morgenpost hat am 1. März dankenswerterweise auch ausführlich darüber berichtet, und, siehe da, so viel anders als bei William und Kate scheint es bei Urgroßtante Mary gar nicht zugegangen zu sein. Es liest, da Rolf Seelmann-Eggebert verhindert war, Paula Leu.
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Folge vom 28.02.2022Aussichtsvolle Berufe für gebildete FrauenWie stand es 1922 um die Berufsaussichten von gebildeten Frauen? Das Berliner Tageblatt vom 28. Februar versucht ganz praktisch und mit konkreten Kontaktadressen gespickt darüber Auskunft zu geben. Heute mutet dieser Artikel etwas skurril an, beinahe so als handele es sich um eine Satire. Aber nein. Der Weg zu einer Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt war noch ein weiter. Unter gebildeten Frauen verstand man Frauen mit einer Ausbildung, gewarnt wurde vor akademischer Bildung und das Hauptarbeitsfeld der Frauen war die Pflege und Hauswirtschaft. Frank Riede gibt uns einen Einblick in das Frauenbild vor hundert Jahren.